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Vier Leserbriefe zur neuen Architekturentwurf  auf dem Bürgerspitagelände
von  Alfons Swazcyna  Christian Schön, Heinrich  Benker und Hans Peter Drescher

 

Architektur und Baukultur in der Altstadt sind auch Bürgeraufgabe

Leserbrief zum AZ-Artikel "Neue Pläne für das Bürgerspital-Areal" vom 15. Oktober:

War der ursprüngliche Entwurf für die massive Bebauung schon eine Katastrophe für die Altstadt, erreicht der neue Entwurf den Gipfel der Hässlichkeit und Verunstaltung des Charakters der Altstadt. Jeder Architekturstudent erhielte dafür die Note 6. Zurecht kritisiert deshalb die Stadtheimatpflegerin diesen peinlichen Entwurf und rät vergebens von der Zustimmung ab.

Ein Grund zu fragen: Wann erwachen endlich noch weitere Amberger aus ihrem Desinteresse für ihre Altstadt, meldet sich endlich die passive und angepasste Amberger Architektenschaft und die obersten Denkmalpfleger aus München kritisch zu Wort, um der Missachtung einer altstadtverträglichen Baukultur für die Zukunft entgegenzutreten?

Die Mehrheit des Stadtrates, der das unpassende Ten-Brinke-Projekt auf Teufel komm raus durchsetzen will, hat sich schon längst als Garant der Baukultur disqualifiziert. Und die leider gefangen weisungsgebundenen Fachleute aus dem Baureferat müssen auf Kosten ihres Berufsethos diesen Baufrevel auch noch mitmachen. Bei der Frage, ob eine Stadt attraktiv ist und bleibt, spielt die Qualität der Baukultur im Stadtbild eine wesentliche Rolle.

So zehren wir Amberger doch stolz von der Baukultur des Mittelalters und erwarten einen sensiblen Umgang mit dem Überlieferten. Sie müssten eigentlich rebellieren, wenn ein Bau in dem denkmalgeschützten Ensemble der Altstadt ein Fremdkörper ist oder wird. Der von Ten Brinke auf dem Bürgerspitalareal ist es sicherlich! Den "Storg"/das "Forum" haben wenige engagierte und mutige Amberger vor der Abrissbirne gerettet gegen die falschen Entscheidungen der Politik und Verwaltung. Baukultur ist eine öffentliche Zukunftsangelegenheit, die alle Bürger angeht. Gebäude prägen unsere Umwelt über Jahrzehnte hinweg, deshalb hätte in Amberg über die Notwendigkeit einer Bebauung des Bürgergrundstücks "Bürgerspital" in der historischen Altstadt von Anfang an ein öffentlicher Dialog gesucht werden müssen. Dafür ist es auch für Alternativen (z.B. Kulturpark) trotz aller Zwänge noch immer nicht zu spät.

Die Amberger Politik hat noch nicht erkannt, dass die Öffentlichkeit und Kreativität gerade bei Baumaßnahmen durch öffentliche Diskussion und kompetente Kritik entsteht, der sie sich endlich stellen muss. Die Stadt Regensburg hat mit externen Fachleuten in Form des Gestaltungsbeirates als Instrument der Qualitätssicherung sehr positive Ergebnisse für die Baukultur gemacht, die überregional beispielgebend und gefragt sind.

Nur Mitsprache und Offenheit kann das zusehends schwindende Vertrauen der Bürger in Politik und Verwaltung verbessern. Dies wäre vor allem eine wichtige Führungsaufgabe des ersten Mannes in der Stadt.

Alfons Swaczyna, Amberg

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Was wir heute bauen, wird unsere Stadt morgen prägen -
und in der Architektur umfasst das
Morgen eben nicht nur ein paar Jahre, sondern mindestens Jahrzehnte. Eine städtebauliche
Fehlentscheidung wird also extrem lange Zeit nicht mehr korrigierbar sein. Deshalb ist es so
ungemein wichtig, dass man jetzt Abstand nimmt von den (nach wie vor) unsäglichen
Entwürfen des Investors Ten Brinke. Denn der geplante Bau passt weder vom Konzept noch
vom Bauvolumen noch von der Fassadengestaltung an dieser Stelle, worauf auch unsere
Stadtheimatpflegerin erneut eindringlich hingewiesen hat.

Doch mit der Mehrheit von CSU, SPD und ÖDP hat der Bauausschuss letzte Woche dem Klotz
erwartungsgemäß weiter den Weg bereitet, obwohl die vorgestellten kleineren optischen
Änderungen „das große Ganze“ leider keinesfalls besser machen, sondern eher nur nochverschlimmern.
Jetzt liegt es am neuen Stadtrat, mit Courage Ambergs Kopf in letzter Minute aus der TenBrinke-Schlinge zu ziehen, die der vormalige Stadtrat der (Alt)stadt selbst umgelegt hat.

Haben Sie Mut dazu! Besser spät als nie.
Wieso wird uns eigentlich immer nur versucht, zu vermitteln, dass es für einen Ausstieg aus
dem Projekt zu spät sei? Warum erfahren wir nicht, was es konkret, also finanziell, bedeuten
würde, noch rechtzeitig diese schlimme Bausünde unserer schönen Stadt zu ersparen?
Direkt gegenüber ist übrigens ein wunderbares Beispiel dafür, dass eine Wende kurz vor
Schluss gelingen kann: dem Forumsbau sollte bekanntermaßen der Garaus gemacht werden.
Wie gut, dass man hier nicht zuletzt auch durch das Engagement interessierter BürgerInnen
die Kurve noch gekratzt hat!

Christian Schön, Amberg
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Fassungsloses Staunen über Fassaden-Pläne des Investors Ten Brinke

Leserbrief zum Artikel "Neue Pläne für Bürgerspital-Areal" vom 16. Oktober:

Über Kunst, Architektur und guten Geschmack kann man bekannterweise trefflich streiten. Aber die in der Amberger Zeitung abgedruckten neuen Fassadenansichten des Investors Ten Brinke lassen mich einigermaßen ratlos und fassungslos zurück. Und weiter: Der Bauausschuss empfiehlt mehrheitlich dem Stadtrat die Annahme der vorgelegten Pläne. Dabei genügt ein genauer Blick in die abgebildete Fassadenansicht zum Spitalgraben, um zu erkennen, das ein völlig überdimensionierter Klotz, ohne Gliederungen und mit Altstadt untypischer Dachlandschaft, waagrechten Fensterbändern, einer völlig öffnungslosen EG-Fassade und einer angedeuteten Natursteinverblendung, jeden Rahmen sprengt und den Spitalgraben zur Gasse degradiert.

Ohne Not wurde dem Investor erlaubt, außerhalb der in der ganzen Altstadt geltenden Gestaltungssatzung zu planen. Warum? In den letzten Jahrzehnten musste sich jedes Amberger Planungsbüro und jeder Bauherr zu Recht weitestgehend an die Altstadtsatzung halten. Investor Ten Brinke aber erhält anscheinend völlige Gestaltungsfreiheit. Dachneigungen zwischen fünf und zehn Grad führen zwangsläufig zu Blech-oder Foliendächern.

Der von den Ambergern geliebte Blick von der Terrasse der Bergwirtschaft wird in Zukunft ein ästhetischer Genuss, wenn in der Mittagssonne die Dachlandschaft metallisch glänzt. Wie wird der Klotz erst alle anderen gegenüberliegenden Gebäude erschlagen, zumal diese in der Regel ein Geschoß tiefer ausgeführt wurden. Altstadttypisch sind verputzte Lochfassaden mit stehenden Fenstern. Waagrechte Fensterbänder (wenn auch beispielhaft) passen genauso wenig in die Altstadt wie die gezeichnete Natursteinverblendung der Fassade. Des Weiteren ist die völlig ungegliederte Fassade nur dazu geeignet, jede Proportion der üblichen Hausbreiten im Ei zu sprengen.

Natürlich ist es viel leichter zu kritisieren, als etwas zu planen und auf den Weg zu bringen. Auf diesem Weg dorthin, unterstelle ich dem Stadtrat zu keinem Zeitpunkt hier vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt zu haben. Auch ist der Grundansatz der Nutzung durch Wohnen und Gewerbe für diese Lage richtig. Ein Park oder ein weiteres, schlecht besuchtes Museum auf Steuerzahlerkosten ist sicherlich auch keine angemessene Nutzung. Jedoch ist die neue vorliegende Planung dermaßen altstadtfremd, dass sie auf Jahrzehnte hinaus einen Fremdkörper darstellen wird, der an dieser Stelle einfach nichts zu suchen hat. Die Stadt Regensburg hat seit Jahren einen Gestaltungsbeirat installiert, in dem Fachleute, Architekten, Heimatpfleger den Stadtrat und die Ausschüsse beratend unterstützen und vieles bereits im Vorfeld herausfiltern. Der Satz des CSU-Fraktionsführers Schöberl: "Das kann noch schöner werden" lässt den Rückschluss zu, dass er es derzeit schon "schön" findet. Seine Privatmeinung in allen Ehren, aber ist er Fachmann genug, das überhaupt abschließend zu beurteilen? Weder im Stadtrat, noch im Bauausschuss sitzt derzeit noch ein ausgewiesener Baufachmann. Nicht umsonst wächst der Unmut in der Bevölkerung und Bürgerinitiativen begleiten zunehmend den Entscheidungsweg des Stadtrats. Warum wohl? Wie kann es sein dass die Altstadt-Gestaltungssatzung für das Bürgerspitalgelände aufgehoben wurde? Welche Gründe waren so zwingend, hier alle Schranken fallen zu lassen. Es ist eine Minute vor 12 und die letzte Chance für den Stadtrat eine Jahrhundertbausünde zu verhindern.

Architekt Heinrich Benker, Amberg

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Historisches Potenzial wie Augapfel hüten
 

Zum Beitrag "Neue Pläne für das Bürgerspital-Areal" (AZ, 16. Oktober):

"Das kann noch schöner werden", sagte Matthias Schöberl (CSU) im Bauausschuss, aber er meinte damit nur Details. Der geschichtsbewusste mündige Bürger stimmt zu, aber meint eine ganz neue Planung!

Wird auf der Basis dieses abgebildeten Entwurfs ein Bebauungsplan aufgestellt und ein Kaufvertrag für das Gelände mit Ten Brinke geschlossen, wird es dagegen wieder Klagen geben. Viel Zeit verstreicht sinnlos. Ten Brinke beharrt offensichtlich auf der größtmöglichen Ausnutzung des Grundstücks und somit auf maximalen Einnahmen. Sein Zugeständnis ist eine schmale Lücke zwischen nunmehr zwei Klötzen, wo bisher ein riesiger Klotz vorgesehen war. Das ist aus der Sicht eines Investors durchaus verständlich.

Dem geschichtsbewussten mündigen Bürger graut aber ungemein vor dem, was die Stadträte von CSU und SPD mit diesen Klötzen ins Werk zu setzen bereit sind. Das Erscheinungsbild der Altstadt wird sich völlig verändern, zum schlechten. Wirtschaftlicher Niedergang in früheren Jahrhunderten führte dazu, dass das Amberger Ei seinen frühneuzeitlichen Zuschnitt behalten hat. Glücklicherweise, wie allseits (bei anderer Gelegenheit) von denselben Stadträten betont wird.

Amberg darf außerhalb des Eis so modern werden wie es will, muss aber sein historisches Potenzial innerhalb wie einen Augapfel bewahren. Wer soll denn nach Amberg kommen, wenn nicht mehr viel übrig ist vom historischen Erbe? Beenden Sie das Thema Ten Brinke auf möglichst schonende Weise. Behalten Sie das Grundstück und entwickeln Sie eine dem Ei angemessene bauliche Nutzung.

Hans-Peter Drescher, Amberg