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Wem gehört die Stadt und wer baut für wen?

Buh-Rufe und Pfiffe zwischendurch für die Statements manch eines Stadtratsvertreters – Andreas Ascherl, Redakteur der Amberger Zeitung, bei dieser Veranstaltung in der Rolle des Moderators, hatte alle Hände voll zu tun. Das Mikrofon fest in der Hand behaltend, ließ er die Zuhörerinnen und Zuhörer zu Wort kommen. Und so mussten sich die Herren den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Geschichte der Stadt auf der Fläche des Bürgerspital-Areals einfach ausgelöscht hätten. Das Gelände gehöre den Ambergern, nicht dem Stadtrat. Damit seien die Mehrheitsparteien schlicht nicht mehr wählbar.


Interessanterweise waren es dann tatsächlich Jüngere und neu Zugezogene, denen ihre Zukunft wichtig war. Wie, so fragten sie, wie den Menschen angesichts von Klimawandel oder Hambacher Forst vermittelt werden soll, dass sich Amberg Autos in die Stadt holt. „Traurig und nicht zukunftsorientiert“ sei das Bauvorhaben. Sie hielten ein gesamtgesellschaftliches Wohnkonzept für nötig. „Da scheint die jüngere Generation weiter zu sein als die ältere“, konstatierte Ascherl auf seinem Parcours durch die Kinoreihen, diesmal zum Vorsitzenden der IG Menschengerechte Stadt, Achim Hüttner. Er verwies auf die Erfolge, die der Verein im Sinne einer lebenswerten Altstadt in Amberg schon erzielt hat, z.B. die autofreie Schiffgasse, kein Parkhochhaus im Maltesergarten. Denn wem gehört denn nun die Stadt? Der Stadtrat jedenfalls tue so, als ob sie ihm gehöre. Die Frage sei aber die nach den Bedürfnissen und wer für wen baue. Dass sich so viele junge Leute gegen die derzeitige Politik aussprechen, freute ihn besonders. „Die Gesundheit der Jüngsten ist mehr Wert als 100 Meter weniger zu gehen.“ Am Ende blieb ihm die Hoffnung, „dass die Judikative greift, wenn die Einsicht nicht kommt.“

Und jetzt ein Kommentar

Im Vorfeld der Veranstaltung gab es Irritationen, hervorgerufen durch einen Artikel in der Amberger Zeitung: „Einer fehlt auf dem Podium“. Leicht zu erraten, dass es sich um OB Michael Cerny handelte. Doch entgegen anderslautenden Meldungen war der OB selbstverständlich rechtzeitig zur Veranstaltung geladen – allerdings war er nie fürs Podium vorgesehen. Die IG wollte mit den Fraktions- und Ausschussvorsitzenden diskutieren. Außerdem hätte dann Dieter Mußemann wieder ausgeladen werden müssen, da es keine zwei Vertreter einer Partei auf dem Podium sein sollten und dies auch den Rahmen gesprengt und dem Gleichbehandlungsgrundsatz widersprochen hätte. Ergo kann der OB gar nicht wieder ausgeladen worden sein, wie er im OTV behauptet hat. Falls er aus seiner Schmollecke herausgekommen ist, hatte er hoffentlich ein erholsames Wochenende und ist gewappnet für die kommende Auseinandersestzung. Er ist ja überzeugt, so jedenfalls ist es in der Amberger Zeitung nachzulesen, dass sich mit dem Ten Brinke-Projet Preise gewinnen ließen. Dann sollte er mit diesem architektonischen Prachtexemplar tatsächlich auf die grüne Wiese. Und wenn stimmt, dass der Bau der Tiefgarageneinfahrt ca. 1,5 Millionen Euro kostet, wie Dieter Mußemann auf eine entsprechende Frage kundtat, könnten diese Steuergelder auch für einen Elektro- oder selbstfahrenden Kleinbus verwendet werden und der Stadt bliebe ein „seelenloses“ Etwas erspart. Phantasie hat eben doch Grenzen dort, wo Einwendungen gegen ein Bauvorhaben als Bürgerbeteiligung interpretiert werden. Wenn CSU und SPD all das, was Prof. Monheim mit seinen Befragungen zu Tage befördert hat, schon kennen und alles wissen: Warum machen sie in Amberg dann genau das Gegenteil? Weil sie, wie es ein Teilnehmer formulierte, erschreckend erkenntnisresistent sind. Weil sie mit Begrifflichkeiten verschleiern, was tatsächlich geschieht und meinen, schöne Worte allein überzeugen. Sie sagen „resourcenschonendes Bauen“, verschweigen aber die grandiose Flächenversiegelung von rund 5.000 Quadratmeter für ein Bauwerk, das in die Altstadt passt wie die Faust aufs Auge. Sie sagen zukunftsorientiert und agieren rückwärtsgewandt. Glauben sie selbst, was sie sagen oder ist es das Resultat gezielter Lobbyistenarbeit? Beides wäre gleichermaßen fatal. Denn angesichts gravierender gesellschaftlicher und umweltpolitischer Probleme reichen schöne Worte allein einfach nicht.                                                                                                                                al/Foto: Reuther

 

Mit "Weiter" zur pdf des Vortrags von Prof. Dr. Rolf Monheim