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Verhindern will er nur ein Unglück
 
Stellungnahme  Wolfgang Schimmel  in der AZ vom  14.01.2019
 
"Hallo, ich bin der Kläger", sagt Wolfgang Schimmel, korrigiert sich aber sofort: "Korrekt heißt das übrigens Antragssteller." Schimmel ist einer von drei Anliegern, die gegen den Bebauungsplan für das Bürgerspitalgelände eine Klage eingereicht haben.

Amberg. (ass) Oberbürgermeister Michael Cerny hatte im Jahresgespräch mit der Amberger Zeitung mehr oder weniger unverblümt die Kläger gegen den Bebauungsplan für das Spitalgelände aufgefordert, ihre Klagen zurückzuziehen. Jetzt, da die umstrittene Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße wohl als erledigt zu betrachten sei. Wolfgang Schimmel sieht das völlig anders. Denn erstens, so sagt er im Gespräch mit der Amberger Zeitung, gelte der Bebauungsplan noch, gegen den er klage, und zweitens gehe es ihm nicht nur um die Tiefgarageneinfahrt.

Dimension passt nicht

Gemeinsam mit seiner Frau wohnt der gebürtige Regensburger Schimmel sei gut drei Jahren am Spitalgraben. Natürlich sei ein Grund für seine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan Amberg 134 Bürgerspitalareal samt der Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans die Tiefgarageneinfahrt gewesen, sagt Schimmel. Aber eben nicht ausschließlich. "Das geplante Gebäude an sich passt von den Dimensionen her überhaupt nicht in die Altstadt", argumentiert der 71-Jährige ehemalige Jurist. "65 Meter geschlossene Front am Spitalgraben."

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Er selbst habe eine Wohnung mit Blick auf den Innenhof, sei also direkt nicht beeinträchtigt. Aber die Nachbarn müssten dann auf diese Mauer schauen. Was Schimmel hier besonders ärgert ist die Tatsache, dass eigens die Altstadtsatzung, die Gestaltungsfibel für die Innenstadt, für diesen Bau außer Kraft gesetzt worden sei. Dritter Punkt: "Das Grundstück wird komplett versiegelt." Das sei verheerend für das Stadtklima in einer Zeit des Klimawandels, in der man irgendwann dankbar sein werde für jede grüne Oase innerhalb der Mauern. Wolfgang Schimmel drückt es drastisch aus: "Es spricht überhaupt nichts für diesen Bau." Von wegen Magnet für die gesamte Oststadt: "Magneten haben die Eigenschaft, dass sie einen nicht mehr loslassen", erklärt Schimmel. "Du fährst mit dem Auto rein, mit dem Fahrstuhl hoch, kaufst ein und fährst dann mit dem Auto wieder raus." Anstelle der von vielen Seiten propagierten Revitalisierung eines ganzen Stadtviertels erwartet Wolfgang Schimmel sogar das Gegenteil, wenn hier ein Lebensmittler einzieht. "Für den Lebensmitteleinzelhandel ist dort dann nichts mehr zu reißen", fürchtet er die Schließung von Bäckern, Metzger oder auch Weinhändlern in der Altstadt.

Wie es richtige gehe, das zeige die neue Bäckerei Bärenbrot in der Herrnstraße: klein, gut und regional. "Das brummt." Seine Nachbarn treffe er beim Einkaufen rund um den Marktplatz, die Versorgung sei von daher mehr als ausreichend. Alles darüber hinaus für den täglichen Bedarf bekomme er bei einem der beiden Netto-Märkte in der Nähe. Seiner Meinung nach steckt hinter dem Ten-Brinke-Projekt der Wunsch der "Stadtratsmehrheit", Amberg als Einkaufsstadt zu positionieren. "Das funktioniert in der Nachbarschaft von Nürnberg und Regensburg aber nicht."

Kleinteilige Bebauung

Die Belebung der Innenstadt klappt nach Einschätzung von Wolfgang Schimmel nur, wenn man hier die Aufenthaltsqualität verbessert: Kleine Läden, Kneipen, Cafés, Kultur, viel Grün und wenig Autos. Dazu Wohnen und Gewerbe. Ausreichend leerstehende Flächen zur Wiederbelebung gebe es allein rund um das Spitalgelände mehr als genug. "Es geht mir nicht um meine Ruhe, es geht mir um ein lebendiges Stadtviertel", sagt Schimmel. Das könnte man seiner Einschätzung nach auf dem Spitalgelände locker schaffen: Kleinteilige Bebauung würde nicht übermäßig schaden, viel Grün dazu und automatisch eine Aufwertung des jetzt fast ungenutzten Ring-Theaters.

Ist Wolfgang Schimmel der viel geschmähte "Verhinderer"? Nein und ja, sagt er. Nein, denn er stemme sich nicht generell gegen ein sinnvolles Projekt auf dem Spitalgelände. Und ja, er versuche, Schlimmes zu verhindern. "Kann man denn hier Leute nicht aushalten, die ein Unglück verhindern wollen?", fragt er. Schimmel will das so nicht stehenlassen und ist mit seinen 71 Jahren in die Politik gegangen. Er wird auf der Liste Amberg für den Stadtrat kandidieren. "Was ich gern hätte ist, dass die Stadt sich mit den Bürgern überlegt, was man mit dem Spital-Grundstück machen kann." Angemerkt