Hier gibt es demnächst Infos zum

AMBERGER KUNSTKASTEN

 

 
Das Zaubergärtlein an der Stadtmauer bleibt erhalten.
 
Eine ursprünglich geplante öffentliche Fläche kann niemals den Zauber eines kleinen privat wirkenden, eingehegten - und in diesem Fall trotzdem gleichsam "öffentlichen", weil über einen hölzernen Zaun hinweg vollkommen einsehbaren - Gärtleins entfalten.
 
Nach Intervention durch unseren Verein bei den Verantwortlichen der Stadt Amberg ist es gelungen, dass hier keine Zerstörung stattfinden wird. Der Platz wird zwar nicht mehr an eine Privatperson verpachtet, aber er bleibt uns in seiner Schönheit und seinem Charme erhalten, da der Vorstand die Pflege von Blumen, Sträuchern etc zugesagt hat.

Ausserdem renovieren wir den etwas maroden Gartenzaun. Hier werden wir aber noch brauchbare Teile weiter verwenden.
 
Wir freuen uns sehr, dass dieses Idyll erhalten bleibt. Ein Stück Natur mitten in der Altstadt.

So ein oder etwas größerer fast autonom fahrender E Bus könnte doch auch in Amberg

durch die Altstadt fahren. oder nicht ?

 

Drei Mitglieder  waren im Auftrag der IG menschengerechte Stadt und des Stadtmarketing

Vereins in Bad Birnbach umsich  das anzusehen. Mit bis zu 10 kmh geht es angenehm voran.

 

Die Türen sind sehr breit und man hat eine gute Rundumsicht. Das Gefährt ist GPS - gesteuert.

Unsere Meinung: eine tolle Sache und das könnte den Parksuchverkehr ziemlich einschränken.

 

Z.B. Start bei der Tiefgarage an der Bahnhofstraße und dann durch die Fussgängerzone

bis zum Malteser und zurück mit entsprechenden Zwischenstationen.

 

 


ERSTMALS SELBSTFAHRENDE BUSSE

Welche Vorschläge zur Bebauung des Bürgerspitalareals außer dem Wettbewerbssieger gab es noch? Diese Frage wurde während des gesamten Entscheidungsprozesses, den die Stadt im Geheimen und hinter verschlossenen Türen vollzog, häufig gestellt. Die Antwort kommt jetzt. In der Spitalkirche sind die drei anderen Wettbewerbsarbeiten ausgestellt - zu besichtigen dienstags von 11 bis 12 Uhr und donnerstags von 16 bis 17 Uhr.

Ein Vergleich lohnt sich, auch wenn es an der Tatsache, dass Ten Brinke das Grundstück gekauft hat und mit seinem Klotz bebauen wird, nichts ändert. Das Amberger Architekturbüro Bauart allerdings, das als zweiter Sieger aus dem Wettbewerb hervorging, hätte eine wesentlich passendere Bebauung vorgesehen: Mehr Freiflächen und Wege auf dem Gelände und vor allem mehr Wohnraum. Allen Entwürfen gemeinsam ist - leider - die Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße. (al/Fotos: ws)

Entwurf des Amberger Architekturbüros Bauart

Entwurf Stadtbau

Entwurf des Amberger Hoteliers Gerald Stelzer

   

Podiumsdiskussion

Altstadt bewahren & gestalten

Denkmalpflege und Stadtentwicklung auf der Höhe der Zeit

28. Juli 2021, Ringtheater Amberg

Welchen Wert haben Baudenkmäler und ihre Erhaltung für eine Stadtgesellschaft und Stadtkultur? Was ist ein Denkmalensemble? Wie kann zeitgemäße Denkmalpflege gelingen? Wie ist sie finanziell überhaupt noch leistbar? Wie kann modernes Wohnen, Leben und Wirtschaften in der Altstadt aussehen? Verträgt sich Denkmalschutz mit Klimaschutz? Mit wirtschaftlichen Interessen? Was zeichnet eine qualitätsvolle und denkmalgerechte Baukultur aus? Welche Nutzung und Gestaltung ist für Straßen, Gassen und Plätze denkbar und sinnvoll? Ist eine autofreie Altstadt erstrebenswertes Ziel oder Traumtänzerei? Wie lassen sich Denkmalpflege und Stadtentwicklung zusammen und nicht gegeneinander denken?

Um diese und ähnliche Fragen zu erörtern, hatte die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt am 28. Juli 2021 zu einer Podiumsdiskussion ins Ringtheater Amberg eingeladen. Unter dem Titel "Altstadt bewahren & gestalten. Denkmalpflege und Stadtentwicklung auf der Höhe der Zeit" diskutierte eine prominent besetzte Runde mit dem zahlreich erschienenen Publikum. Die Organisatoren rund um Bertold Bernreuter, der die Diskussion auch moderierte, hatten mit vier auswärtigen Experten bewusst dem kritischen Blick von außen ein Podium eröffnet. Dieses war zugleich Auftakt zur Veranstaltungsreihe denk!mal amberg, die für unterschiedliche Themen im Spannungsfeld von Kulturerbe, Denkmalpflege und Stadtentwicklung sensibilisieren möchte.

Auf unserem YouTube-Kanal können Sie sich die Videoaufzeichnung der Diskussion ansehen:
Video

Denkmalpflege braucht Qualität

Qualität in der Denkmalpflege ist das Schlüsselwort für Bezirksheimatpfleger Tobias Appl: Qualität bedürfe es in der architektonischen Planung ebenso wie in den Diskussionen zur Stadtentwicklung als auch dann bei der Ausführung. Sie zeige sich in einem durchaus modernen Bauen, das jedoch auf seine Umgebung eingehe und Elemente daraus aufnehme. Ein Bauen "von der Stange" sei für jedes historische Stadtbild ein großes Problem. Erfreulich sei es angesichts dieser Herausforderung, dass Bauherren oft als Ergebnis des Sanierungsprozesses gerade die Besonderheiten ihres Denkmals sehen und schätzen lernen. Diese zu erhalten, mag einen erhöhten Aufwand bedeuten, doch dafür gebe es von verschiedener Seite auch Zuschüsse.

Tobias Appl
"Ein guter Architekt nimmt auf, was der Platz, das Gebäude, die Umgebung hergibt und zur Stadt passt."

Tobias Appl

Grundsätzlich sei zeitgemäßes Wohnen in jedem Gebäude umsetzbar und auch wünschenswert, denn das Ziel von Denkmalpflege sei nicht, "eine Stadt zu einem Freilandmuseum zu machen". Auch in Sachen Klimaschutz könnten alte Gebäude qualitativ punkten: Für ihre Renovierung sei im Gegensatz zur Herstellung eines Neubaus kaum "graue Energie" aufzuwenden; mit angepassten Techniken sei auch in der Nutzung eine gute Energiebilanz erreichbar. Zudem bestünden sie in der Regel aus natürlichen und damit problemlos entsorgbaren Materialien. Dass die Amberger Altstadt eine außerordentliche urbane Qualität besitzt, steht für Appl außer Frage: Mit seiner herausragenden historischen Bausubstanz hätte sie das Potenzial, um in einer Liga mit Rothenburg ob der Tauber zu spielen.

Bürgerbeteiligung im Denkmalnetz

Diese Sicht bekräftigte Birgit Angerer, Sprecherin des Denkmalnetzes Bayern, in ihrem Plädoyer für einen bürgernahen Denkmalschutz. Der Staat habe seit den 90er Jahren sein Engagement kontinuierlich zurückgefahren, Personal und Fördergelder würden immer weniger. Umso wichtiger sei es, dass die Bürger selbst für den Erhalt des Bauerbes eintreten, wozu das Denkmalnetz durch die Vernetzung von Initiativen und diverse eigene Aktivitäten beitragen möchte.

Ein 15-Punkte-Programm biete dazu Orientierung: So wird darin etwa eine Stärkung und ein Ausbau der Qualifikation in Denkmalpflege gefordert, sei es in der Architektenausbildung oder bei den Behördenmitarbeitern. Die Personal- und Finanzausstattung müsse adäquat erhöht sowie die Verfahren und Kommunikationswege verbessert werden, unter anderem mit einer rechtlich verankerten Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung. Der Wert von Kulturdenkmälern und ihrer Erhaltung müsse als allgemeines Bildungsziel verankert, der konkrete Erhalt des Stadtbildes und der historischen Bausubstanz gefördert werden. Zu letzterer würden neben den ältesten archäologischen Zeugnissen in den Bodendenkmälern zunehmend auch architektonisch bedeutsame Gebäude der Moderne gehören.

Birgit Angerer
"Man sollte nicht nur einzelne Denkmalbauten schützen, sondern auch das Stadtbild erhalten und den Ensembleschutz fördern."

Birgit Angerer
Harmonisches Zusammenspiel von Alt und Neu

Wie sich modernes Bauen harmonisch in ein historisches Ensemble einfügen kann, zeigte der Berchinger Architekt Michael Kühnlein am jüngsten Projekt seines Büros auf. Die neue Kulturhalle seiner Heimatstadt bilde ein organisches Ineinander mit der benachbarten barocken Posthalterei, die von einem Betreiber aus der Region renoviert wurde und in seiner alten Funktion als Gaststätte und Hotel mit neuem Leben erfüllt werde. Der Weg zu dieser neuen Attraktion in der Berchinger Vorstadt, die trotz seiner eigentlichen Randlage sehr gut angenommen werde, war jedoch ein steiniger. Nach jahrelangem Leerstand wollte ein kuwaitischer Investor den Komplex  in ein Luxusressort verwandeln. Den hochfliegenden Plänen folgten jedoch über Jahre hinweg keine Taten, so dass die Stadt schließlich das Areal zurückkaufte, um dort an Stelle eines gesichtslosen Erweiterungsbaus aus den 1980er Jahren eine moderne Stadthalle zu schaffen, in lebendiger Verbindung zum Gasthof nebenan und mit Zugang zur Wasserfläche der vorbeifließenden Sulz.

Kühnlein unterstrich, dass es durchaus einiger Anstrengung bedurfte, um die passende Gebäudeform zu finden. Ein ursprünglich angedachter Betonzweckbau sei schnell verworfen worden, denn eine "Flachdachschachtel" in der mittelalterlichen Stadt könne nicht die Lösung sein. Stattdessen wurde es ein Bau mit steilem Spitzgiebel nach dem Vorbild alter Speicherstadel, mit viel Holz, geschlagen im Berchinger Stadtwald. Das Innere unter dem hohen Dachraum sei spartanisch gehalten und verstecke nicht, dass es sich hier um neue, zeitgemäße Architektur handele.

Michael Kühnlein
"Einfach so eine Flachdachschachtel in der mittelalterlichen Stadt, das kann es nicht sein."

Michael Kühnlein
Ungesteuerte Stadtentwicklung ist ein Problem

Den Fokus auf die Stadtentwicklung richtete der vierte Referent auf dem Podium, Architekt und Stadtplaner Johannes Peter Steidl aus Neunburg vorm Wald. Während die Städte oft bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine kompakte Größe behielten, so dass Wohnen, Arbeiten und Versorgung eng beieinander lagen, habe sich die Situation heute mit immer weiteren bebauten Flächen grundlegend gewandelt. Dieses Städtewachstum passiere weitgehend ungesteuert: "Wir betreiben keine Stadtplanung mehr, es geht nur darum, Neubaugebiete auszuweisen", war seine Einschätzung. So fehle etwa ein Plan, wie man eine Stadt fußläufiger gestalten könne. Mit dieser Entwicklung stelle sich die Frage, wo die Stadt eigentlich beginne. Sicherlich nicht am Ortsschild mit der Anzeige der verfügbaren Parkplätze, den Gewerbegebieten und Industriebauten. Was man mit Amberg verbinde, sei die Altstadt. Erst hier bekomme die Stadt ein eigenes Gesicht.

Der Flächenverbrauch werde auch durch die uniformen Einfamilienhaussiedlungen befördert. "Die plane ich auch", räumte er ein, das gehöre zum Geschäft. Doch die bessere Alternative sei, bei den Kunden Überzeugungsarbeit für die Bauten in der Altstadt zu leisten. Diese hätten eine ganz andere bauliche Qualität. "Oftmals ist es Liebe auf den ersten Blick", ist Steidls Erfahrung aus Baubesichtigungen. Im Denkmal zu bauen, sehe er daher als Privileg. Das genießt er mittlerweile auch selbst, nachdem er mit seiner Familie ein Stadtmauerhaus saniert hat.

Johannes Peter Steidl
"Wir betreiben keine Stadtplanung mehr, es geht nur darum, Neubaugebiete auszuweisen."

Johannes Peter Steidl
Kritik an Investorenarchitektur

Hatten die Eingangs-Statements Denkmalpflege und Stadtentwicklung eher von ihrer grundsätzlichen Seite betrachtet, standen in der anschließenden Diskussion die konkreten Amberger Probleme im Vordergrund, insbesondere die strittigen Planungen zum Bürgerspitalareal. Den besorgten Fragen der Amberger Bürger und Bürgerinnen begegnete das Podium mit der einen oder anderen bedenkenswerten Position und Perspektive. Tobias Appl erinnerte an die Aufgabe für die Stadtverwaltung, die ablehnenden Stellungnahmen seitens des Landesamtes für Denkmalpflege und der Stadtheimatpflegerin genauso ernsthaft abzuarbeiten wie Bedenken in anderer Sache. Die öffentliche Diskussion dazu gehöre zur demokratischen Kultur. Für Birgit Angerer ist der aktuelle Entwurf zum Bürgerspitalareal nicht gelungen: Zu verdichtet, zu hässlich sei diese Architektur. Für eine Alternative sei es wichtig, öffentlichen Raum zu öffnen, wo Menschen sich begegnen können, mit möglichst viel Grün. Wie wichtig dies sei, zeige ganz aktuell die Pandemiesituation. Michael Kühnlein sieht den Beitrag von Investorenarchitektur für die Altstädte kritisch. Sie sei nicht dem Gemeinwohl verpflichtet, sondern letztlich darauf ausgelegt, möglichst viel Rendite pro Quadratmeter zu erlösen. Johannes Peter Steidl plädierte dafür, auch in der Stadtplanung Überzeugungsarbeit zu versuchen, alle Akteure an einen Tisch zu holen. Die Öffentlichkeit solle sich bei Untätigkeit eines Investors zudem eine Rückabwicklung vorbehalten. Nachverdichtung stoße in den eng bebauten Altstädten an Grenzen und gehe dann zu Lasten der Qualität. Es sei sinnvoller, die meist vorhandenen Leerstände zu reaktivieren.

Die Zukunftsfähigkeit der Innenstädte war Kulminationspunkt der Überlegungen in der Diskussion. Für Tobias Appl ist hier die Gestaltung des öffentlichen Raumes die zentrale Frage. Es brauche mehr Aufenthaltsqualität; fußläufige Entfernungen würden den Verzicht aufs Auto ermöglichen. Die vielfältigen Herausforderungen, die oft die Kräfte des Einzelnen überstiegen, könnten erfolgreich im genossenschaftlichen Modell angegangen werden. Birgit Angerer warnte davor, sich mit Rezepten von gestern Möglichkeiten zu verbauen, die wir in Zukunft noch brauchen würden. So sei etwa ein Regionalvermarkter in der Altstadt zukunftsträchtiger als ein Vollsortimenter. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels sieht Michael Kühnlein seinen Berufsstand gefordert. Baukultur werde an ihrer Klimaverträglichkeit gemessen werden; auch die Altstädte werden wohl grüner werden müssen. "Baukultur verpflichtet", betonte Johannes Peter Steidl. Einem Neubau im Ensemble dürfe man durchaus ansehen, dass er aus dem 21. Jahrhundert stamme. Entscheidend sei dabei, dass der Bau in sich und zu seiner Umgebung die Verhältnismäßigkeit wahre.

Kulturhalle Berching
"Die Architekten haben dabei, vielleicht weil sie ihre Stadt lieben, den Genius loci erspürt und ihn mit Einfühlung weiterentwickelt. Sie verstehen Architektur als soziale Kunst, die vertrauten gestalterischen Strukturen und dem sozialen Kontext, aber nicht dem Baukünstler-Ego verpflichtet ist."

Falk Jaeger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Kulturhalle Berching

Die Sensibilität für das Besondere des Ortes sei der Schlüssel für ein Bauen, das nicht nur denkmalgerecht, sondern auch menschengerecht ist, resümierte Moderator Bertold Bernreuter. In der Architektur müsse man nicht nur mit dem Kopf, sondern ebenso mit dem Herzen dabei sein – eine Herausforderung weit über die Kunst des Bauens hinaus.

Die Podiumsteilnehmer

Tobias ApplDr. Tobias Appl ist seit 2012 Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz. Er studierte die Fächer Geschichte, Germanistik, Volkskunde und Politikwissenschaft in Regensburg und München. Von 2004 bis 2012 war er Assistent am Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte der Universität Regensburg, wo er auch promovierte und wo er weiterhin als Lehrbeauftragter tätig ist. Forschung und zahlreiche Publikationen zu bayerischer Geschichte.

Birgit AngererDr. Birgit Angerer ist Sprecherin des Denkmalnetzes Bayern. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde in München und der Promotion in Kunstgeschichte folgten berufliche Stationen an verschiedenen Museen, u.a. dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, und eine freiberufliche Tätigkeit. Seit 2001 war sie am Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen tätig, von 2007 bis 2019 als dessen Leiterin. Sie ist Landesbeauftragte der IgBauernhaus, regionale Ansprechpartnerin von Kulturerbe Bayern und Heimatpflegerin im Landkreis Schwandorf.

Michael KühnleinMichael Kühnlein (jun.) ist Mitinhaber des Architekturbüros Kühnlein in Berching. Nach einer Ausbildung zum Maurer studierte er Architektur in Regensburg. Es folgte die Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros in der Schweiz, Österreich und Frankreich, seit 2012 im eigenen Büro u.a. mit zahlreichen Bauprojekten im Bereich Denkmalpflege. Er ist Mitglied der Bayerischen Architektenkammer und in den Bund Deutscher Architekten berufen, zudem Lehrbeauftragter an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg.

Johannes Peter SteidlJohannes Peter Steidl ist Mitinhaber des Architekturbüros Steidl in Neunburg vorm Wald, wo er insbesondere auch als Stadtplaner tätig ist. Sein Studium der Architektur in Regensburg vertiefte er mit dem Schwerpunkt nachhaltige Stadtplanung an der Universität Liechtenstein, wo er auch als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Nach einer Zeit in der Praxis forschte und lehrte er an der Hochschule München zu nachhaltigen Raum- und Stadtplanungsstrategien. Er ist Mitglied im Kompetenzteam Aus-, Fort- und Weiterbildung der Bayerischen Architektenkammer.

Dokumentation

Die Podiumsdiskussion auf YouTube: Video

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Vortrag mit Diskussion

Mathias Hensch

Amberg als archäologisches Denkmal

Faszination, Aufgabe und Verantwortung für 3000 Jahre Siedlungsgeschichte

29. September 2021, Ringtheater Amberg

Um die Faszination und zugleich Verantwortung für 3000 Jahre Siedlungsgeschichte ging es in einem Vortrag von Mathias Hensch mit dem Titel "Amberg als archäologisches Denkmal", zu dem die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt am Mittwoch, 29. September 2021, im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe denk!mal amberg: kulturerbe – denkmalpflege – stadtentwicklung ins Ringtheater eingeladen hatte.

Und die Ambergerinnen und Amberger kamen zahlreich: Zum eigentlichen Veranstaltungsbeginn wartete draußen noch eine lange Schlange Interessierter auf Einlass. Sie bekamen anschließend von Mathias Hensch, der unter anderem die archäologischen Grabungen von 2016 bis 2018 auf dem Bürgerspitalgelände geleitet und dabei sensationelle Funde zu Tage gebracht hatte, hochinteressante Einblicke in die neuesten archäologischen Erkenntnisse geboten, die der Boden der Stadt über deren Geschichte in jüngster Zeit preisgegeben hat. In knapp anderthalb Stunden spannte Hensch einen geschichtlichen Bogen von den hallstattzeitlichen Kelten in der Altstadt bis zum frühneuzeitlichen Amberg.

Auf unserem YouTube-Kanal können Sie sich die Videoaufzeichnung des Vortrags ansehen:
Video

Archäologische Quellen erhalten

Ambergs Geschichte beginne keineswegs mit seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1034, führte Hensch aus. Die Siedlung dürfte zu diesem Zeitpunkt schon etwa 300 Jahre bestanden haben, wie zahlreiche Funde aus frühkarolingischer Zeit belegen. Noch einmal rund 1500 Jahre vorher ließen sich in der frühen Hallstattzeit Kelten im heutigen Stadtgebiet nieder und bestatteten hier ihre Toten unter großen Grabhügeln. Ambergs älteste Geschichte liege also nicht in erster Linie im Stadtarchiv bewahrt, sondern im Boden unter der Altstadt. Archäologische Funde und Befunde erzählten über das Werden und Wachsen Ambergs, über das Alltags- und Wirtschaftsleben seiner Bewohner und nicht zuletzt über seine Bewohner selbst.

Mathias Hensch
"99 Prozent der Quellen zur frühen Amberger Geschichte sind nicht schriftlich, sondern allein als archäologische Quellen im Boden überliefert."

Mathias Hensch

Aus dieser ebenso einfachen wie faszinierenden Feststellung erwachse, so Hensch, eine große Verantwortung gegenüber diesem historischen Erbe. Denn moderne Baumaßnahmen führten zu einem steten Verlust an archäologischen Geschichtsquellen, die keine nachwachsende Ressource darstellen, zugleich aber in hohem Maße schützens- und erhaltenswert seien.

Der Vortrag beleuchtete im Fortgang anhand ausgewählter Einblicke in den Boden der Altstadt unterschiedliche Aspekte der Amberger Geschichte von den Anfängen bis in die Neuzeit und verdeutlichte somit die hohe Aussagekraft archäologischer Quellen für die Stadtgeschichte.

Von den Kelten bis in die Neuzeit

Einen ersten Höhepunkt des Abends bildeten dabei Henschs Erläuterungen zu den ältesten Funden auf dem Bürgerspitalgelände, die eindrücklich die Anwesenheit von frühen Kelten in der Altstadt belegen. Die Reste von drei Grabhügeln aus dem 8. Jahrhundert vor Christus sowie von diversen Brandbestattungen legen eine frühhallstattzeitliche Siedlung nahe, in der auch schon Eisen verhüttet wurde.

Mit einem Einblick in die frühkarolingischen Anfänge einer Siedlungskontinuität bis zum heutigen Amberg konnte Hensch die bislang wenig erforschte Gründungszeit der Stadt erhellen. Ausgehend von einer Handelssiedlung östlich der Vils habe sich die befestigte mittelalterliche Stadt entwickelt, mit Sankt Martin als Kern, der möglicherweise einen Königshof darstellte, welcher später zu einem Kloster umgewidmet worden sein könnte. Weitere frühmittelalterliche Siedlungskerne seinen nachfolgend um den Eichenforst und Sankt Georg entstanden. Wichtige wirtschaftliche Betätigung war wiederum die Eisenverhüttung und -verarbeitung, von der zahlreiche Funde in der Altstadt Zeugnis abgeben, wie Hensch veranschaulichte.

Herzogshof auf dem Bürgerspitalareal
"Das ist für die Stadtgeschichte ein enorm wichtiger Befund: Wir haben auf dem Spitalgelände den Vorgänger der Residenz, wir wir sie heute an der Stadtbrille haben. Das ist der erste Sitz der Wittelsbacher im Stadtareal."

Mathias Hensch

Einen breiten Raum nahmen schließlich die hoch- und spätmittelalterlichen Funde auf dem Bürgerspitalgelände ein. Ein für die Stadtgeschichte essentieller Befund sei der Nachweis eines in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts errichteten Herzogshofs außerhalb der Kernsiedlung; er sei die erste Wittelsbacher Residenz im Stadtareal. Nach der Schenkung Ludwig des Bayern von 1317 werde dieser als Spital genutzt und ausgebaut und bleibe bis ins 21. Jahrhundert Ort der kommunalen Sozialfürsorge. Zahlreiche vor allem spätmittelalterliche Grabfunde erlaubten Rückschlüsse auf die Glaubensvorstellungen der Zeit.

Tiefgreifende Denkmalpflege

Mathias Hensch verdeutlichte in seinem Vortrag, dass das obertägig erhaltene Altstadtensemble untrennbar mit den im Boden erhaltenen Spuren der Vergangenheit verbunden ist. Ohne die Bewahrung von Bodendenkmälern sei geschichtliche Forschung zu den Zeiten vor schriftlichen Quellen schlicht nicht möglich. Verantwortungsvolle Denkmalpflege bedeute somit mehr als der Erhalt von Einzeldenkmälern und hübschen Fassaden im historischen Zentrum. Die Altstadt als Ganzes sei als Denkmalensemble geschützt, so Hensch. Einzelne Gebäude bildeten gemeinsam ein Kulturdenkmal; dabei müssten diese nicht oder zumindest nicht alle Einzeldenkmale sein.

Ansicht Ambergs in der Cosmographia von Sebastian Münster
"Bei einem Ensemble handelt es sich um eine bauliche Gruppe, die aufgrund ihres Zusammenwirkens als erhaltungswürdig erachtet wird und geschützt werden soll."

Monumente 4/2016, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

In der anschließenden Diskussion sprach sich Hensch für eine gut durchdachte mediale Aufbereitung der Grabungsergebnisse vom Bürgerspitalgelände vor Ort aus. Dies sollte im Zuge der Entwicklung des Areals mit eingeplant und realisiert werden, wozu er als ehemaliger Grabungsleiter seine Mithilfe anbot, sogar unentgeltlich. Dem völligen Verzicht auf eine Bebauung zugunsten eines archäologischen Parks erteilte er eine Absage, da das Areal seit 1200 Jahren immer bebaut gewesen sei, allerdings mit großen Freiflächen, wie der Urkatasterplan von 1835 zeige. Die dort kartierte Gebäudestruktur entlang des Spitalgrabens schlug er als Grundlage für eine künftige Bebauung vor: Aufgrund der relativ großen Kubaturen sei sie modern nutzbar, biete jedoch ausreichend Freiraum für eine Begrünung.

Ausgewiesener Experte

Der Organisator und Moderator des Abends, Bertold Bernreuter, zeigte sich hocherfreut, dass mit Dr. Mathias Hensch ein ausgewiesener archäologischer Experte zur Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte der Oberpfalz der Einladung gefolgt war, im Ringtheater zu sprechen und sich den Fragen des Publikums zu stellen. Der ebenso faszinierende und hochinteressante wie kurzweilige und spannende Vortrag weise ihn nicht nur als exzellenten Archäologen aus, sondern auch als Wissenschaftler, der sein Fach anschaulich und gewinnend zu vermitteln wisse.

Besucherandrang vor dem Ringtheater
Besucherandrang vor dem Ringtheater

Der Referent

Mathias HenschDr. Mathias Hensch ist Referent für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Er studierte Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Vor- und Frühgeschichte sowie Mittelalterliche Geschichte an den Universitäten Bamberg und Aarhus. Von 1992 bis 2001 leitete er die archäologischen Grabungen am Schloss Sulzbach, wozu er 2003 promovierte. Es folgten zahlreiche Grabungen und Publikationen zu seinen Forschungsschwerpunkten in der Siedlungs-, Kirchen-, Herrschafts- und Montangeschichte der Oberpfalz, darunter von 2016 bis 2018 die Grabungen auf dem Bürgerspitalareal in Amberg.

Dokumentation

Der Vortrag auf YouTube: Video

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Veranstaltungsreihe

denk!mal amberg

kulturerbe – denkmalpflege – stadtentwicklung

Urkatasterplan von 1835 der Amberger AltstadtAmberg besitzt mit seiner Altstadt ein historisches Denkmalensemble, das in seiner baulichen Geschlossenheit europäischen Rang besitzt. Dieses überkommene Bauerbe ist Verpflichtung und Verheißung zugleich: Es gilt, es zu erhalten als auch stets neu zu entwickeln, in alten Mauern neues Leben zu ermöglichen. Hier die Balance zu finden, ist eine kontinuierliche Herausforderung. Es bedarf beides: Bewahren und Gestalten. Weder die Musealisierung noch der kommerzielle Ausverkauf der Altstadt sind eine Lösung. Ein engagierter Schutz ihres historischen Erbes macht die Stadt insgesamt attraktiv; eine vitale Stadt wiederum ermöglicht erst Erhalt und Nutzung des historischen Zentrums. Kurz: Denkmalpflege und Stadtentwicklung sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Sie sind unerlässliche Voraussetzung für ein lebendiges Kulturerbe, das nicht zur Kulisse erstarrt. Das konkrete Wie eines gewinnenden Ausgleichs beider Perspektiven wird stets erneut ausbuchstabiert werden müssen.

 

Die Veranstaltungsreihe wirft Schlaglichter auf aktuelle Themen in diesem Spannungsfeld von Kulturerbe, Denkmalpflege und Stadtentwicklung und ihre Bedeutung für Amberg. Dem dienen unterschiedliche Veranstaltungstypen wie Fachvorträge, Diskussionen, Ortstermine und Exkursionen.


Termine

Frühjahr 2022

Schiffgasse, Amberg
Denkmalführung
Das Altstadtensemble Schiffgasse
Notstain, Bootshaus, altes Stadtarchiv, Hochwasserschutz

Die Amberger Schiffgasse

Im Jahr 2011 wurde die Umgestaltung des Straßenraums der Schiffgasse abgeschlossen. Autos wurden weitgehend ausgesperrt; sie ist seitdem ein verkehrsberuhigter Bereich. Die Erwartung, dass dies die Initialzündung für eine positive Entwicklung einer der schönsten Ecken im Amberger Altstadtensemble würde, bewahrheitet sich nun – wenn auch vielleicht etwas später, als ursprünglich erhofft. Die Mehrheit der Häuser in der Gasse sind inzwischen renoviert, bis zur Schiffbrücke übrigens durchgängig Einzeldenkmäler mit teilweise mittelalterlicher Bausubstanz. Die zwei größten Denkmalsanierungen scheinen nach Abschluss das einlösen zu können, was von Anfang an das Ziel war: dass Leben am Fluss einkehrt, die Stadt mit dem Wasser verzahnt wird und eine kleine Flaniermeile an einer traumhaft schönen Vilspartie entsteht, die schon seit mehr als einem Jahrhundert ein beliebtes Postkartenmotiv darstellt. Dazu sind die Projekte von Bootshaus und Notstain angetreten: ein kleines Hotel, Gastronomie, Freischankflächen direkt an der Vils und zum Teil sogar auf ihr. Auch das benachbarte Luftmuseum wird davon profitieren, das mit ganz eigenen Ideen aufwartet, wie Luft, Stein und Wasser verbunden werden können.

Der krönende Abschluss dieser Entwicklung wäre eine gastronomische Teilnutzung des ehemaligen Stadtarchivs an der platzartigen Erweiterung der Schiffgasse vor dem Zeughaus. Der Vils-Kiosk der IG Menschengerechte Stadt und die Chillout-Zone dreier Amberger Service-Clubs haben bereits einen Vorgeschmack darauf gegeben, was an diesem überaus einladenden Ort möglich wäre. Doch leider ist dessen Umgestaltung zuletzt ins Stocken geraten; die Corona-Pandemie hat die finanziellen Spielräume zusätzlich verengt.

All diese positiven Errungenschaften wären beeinträchtigt, wenn die Vorplanung zum Hochwasserschutz in der Altstadt, die das Wasserwirtschaftsamt vorgelegt hat, unverändert umgesetzt würde. Insbesondere eine knapp meterhohe Ufermauer in der Schiffgasse würde die Zugänglichkeit zum Fluss komplett konterkarrieren. Der Stadtrat hat deswegen im Juli diesen Jahres beschlossen, eine Alternativplanung zu beauftragen, die hierzu ensembleverträgliche Lösungen erarbeiten soll.

Die Denkmalführung in der Schiffgasse wird diese Themen aufgreifen und mit dem Besuch der Baustellen von Bootshaus und Notstain auch einen Blick hinter die Fassaden ermöglichen. Insgesamt zeigt die Entwicklung in der Schiffgasse in geradezu paradigmatischer Weise, wie durch eine Aufwertung des öffentlichen Raumes auch private Investitionen angezogen werden. Insofern kann die Schiffgasse durchaus als beispielhaft für andere Altstadtbereiche gelten.


Vergangene Termine

Mittwoch, 29. September 2021

Vortrag mit Diskussion
Mathias Hensch
Amberg als archäologisches Denkmal
Faszination, Aufgabe und Verantwortung für 3000 Jahre Siedlungsgeschichte

Mathias Hensch am Keltengrab auf dem Amberger BürgerspitalgeländeDer Vortrag beleuchtete anhand ausgewählter Einblicke in den Boden der Altstadt unterschiedliche Aspekte der Amberger Geschichte von den frühen Kelten und frühmittelalterlichen Anfängen bis in die Neuzeit und verdeutlichte somit die hohe Aussagekraft archäologischer Quellen für die Stadtgeschichte. Zugleich wurde sichtbar, dass das obertägig erhaltene Altstadtensemble untrennbar mit den im Boden erhaltenen Spuren der Vergangenheit verbunden ist und verantwortungsvolle Denkmalpflege sich nicht auf den Erhalt historischer Fassaden beschränken darf.

Dr. Mathias Hensch ist Referent für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Mit zahlreichen Grabungen und Publikationen ist er ein ausgewiesener archäologischer Experte zur Siedlungs-, Kirchen-, Herrschafts- und Wirtschaftsgeschichte der Oberpfalz. Von 2016 bis 2018 leitete er die archäologischen Grabungen auf dem Amberger Bürgerspitalgelände.

Eine Zusammenfassung des Vortrags sowie eine Videoaufzeichnung finden Sie hier:

Bericht


Mittwoch, 28. Juli 2021

Podiumsdiskussion
Altstadt bewahren & gestalten
Denkmalpflege und Stadtentwicklung auf der Höhe der Zeit

Amberger MarktplatzWelchen Wert haben Baudenkmäler und ihre Erhaltung für eine Stadtgesellschaft und Stadtkultur? Was ist ein Denkmalensemble? Wie kann zeitgemäße Denkmalpflege gelingen? Wie ist sie finanziell überhaupt noch leistbar? Wie kann modernes Wohnen, Leben und Wirtschaften in der Altstadt aussehen? Verträgt sich Denkmalschutz mit Klimaschutz? Mit wirtschaftlichen Interessen? Was zeichnet eine qualitätsvolle und denkmalgerechte Baukultur aus? Welche Nutzung und Gestaltung ist für Straßen, Gassen und Plätze denkbar und sinnvoll? Ist eine autofreie Altstadt erstrebenswertes Ziel oder Traumtänzerei? Wie lassen sich Denkmalpflege und Stadtentwicklung zusammen und nicht gegeneinander denken?

Zu diesen und ähnlichen Fragen diskutierten im Amberger Ringtheater Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, Birgit Angerer, Sprecherin des Denkmalnetzes Bayern, der Berchinger Architekt Michael Kühnlein und Johannes Peter Steidl, Architekt und Stadtplaner aus Neunburg vorm Wald.

Eine ausführliche Nachlese sowie eine Videoaufzeichnung finden Sie hier:

Bericht

   KLIMASCHUTZ in AMBERG

 

Hitzerekorde, Trockenheit

ein Unbehagen macht sich breit.

Wenn Gletscher schmelzen, Wälder brennen,

kann man nicht einfach weiter pennen.

 

Die Jugend macht sich lautstark Sorgen

gehört doch ihr die Welt von morgen.

In München hat man's auch bemerkt,

das Schwarze wird grün eingefärbt.

 

Ambergs oberster Klimaschützer

erwirbt einen Elektroflitzer.

Um Radwege ist man jetzt bemüht,

was man doch bisher stets vermied.

 

lm Stadtrat haben auch die Roten

beim Thema Klima schlechte Noten.

Bürgerspital und Storgfassade

des Niederländers Tiefgarage,

 

die Einfahrt in der Bahnhofstraß’

auf die Genossen war Verlass.

Nun hat der Jetstream sich gedreht,

zum Umdenken ist's nie zu spät.

 

Für's Klima schlecht ist mehr Verkehr,

Geschäfte bleiben trotzdem leer.

Was vorgestern noch richtig war,

stellt sich heut als Fehler dar.

 

Doch wenn aus Fehlern man nicht lernt,

hat man vom Bürger sich entfernt.

Neue Konzepte braucht die Stadt,

gefordert ist nun auch der Rat.

 

So unbequem die Wahrheit ist,

uns bleibt nur eine Galgenfrist.

 

Hans Märten (2. Vorsitzender IG )

(Foto; Norbert Scharf, )

Konzept-Studie der OTH Regensburg

 

Frauenkirche AmbergSieben eigenständige Kirchenbauten gibt es in der Amberger Altstadt. Die Franziskanerkirche St. Bernardin wurde nach der Säkularisation zum Theater umgewandelt, heute eines der bezauberndsten Kleintheater Deutschlands. Vier Gotteshäuser sind weiterhin in kirchlicher Nutzung – St. Martin, St. Georg, Schulkirche und Paulanerkirche. Zwei Kirchen sind ungenutzt: die 2016 profanierte Spitalkirche und die Frauenkirche aus dem späten 14. Jahrhundert auf dem Platz der ehemaligen Synagoge. Seit Jahrzehnten steht sie nun schon leer und hochgradig renovierungsbedürftig da. Nur Notsicherungen verhindern ihren Verfall. Im Jahr 2018 verursachte sie einiges an Presserummel, als der Pfarrer von St. Martin, Thomas Helm, sich in der Süddeutschen Zeitung öffentlich Gedanken zu einer angemessenen Nutzung machte.

Das gleiche Ziel verfolgte eine Gruppe von Studierenden aus dem Bachelorstudiengang Architektur an der Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg. "Umgenutzt statt ungenutzt" war der Titel einer Studie, die sie am 1. und 2. Juli 2021 in einer rege besuchten Ausstellung in der Frauenkirche der interessierten Öffentlichkeit vorstellten. Im Rahmen des Seminarthemas "Bauen im Bestand" hatten sie zur Baugeschichte der Frauenkirche, ihren städtebaulichen Kontext und planungsrechtlichen Grundlagen recherchiert, um über eine fundierte Bestandsanalyse zum konkreten Vorschlag einer Umnutzung zu kommen. Kern des vorgestellten Konzeptes ist eine kombinierte Nutzung durch Veranstaltungen, Arbeitsplätze und Gastronomie. Besonders interessant sind auch die Ergebnisse einer Umfrage, die die Studierenden unter Amberger Bürgerinnen und Bürgern zu deren Vorstellungen zur Frauenkirche durchführten.

Die Studie ist auf unserer Website dokumentiert und kann hier heruntergeladen werden (PDF, 20 MB):
Download

 

ACHTUNG UNTERSCHRIFTENLISTE LIEGT BIS 12. FEBRUAR IN DER
BUCHHANDLUNG MAYR AM SCHRANNENPÖATZ AUS!

Ein besonderes Anliegen im Interesse Aller, die die freie Aussicht auf unsere Stadt

erhalten wissen möchten, Wir unterstützen gerne den Verein Freunde des Mariahilfberg

und veröffentlichen hier zur Kenntnisnahme  deren Stellung zum Bauvorhaben

 

Stellungnahme zum Bebauungsplan " Am Südhang"

Wir befürworten den neuene Bebauungsplanentwurf " Am Südhang " der mit der

Festsetzung der Bestandsfirsthöhen für die Zukunft die Aussicht  von der Berg-

auffahrt und vom Fußweg an der Bergauffahrt sichert.

Der Stadtrat Amberg hat den Bebauungsplanentwurf vom 10.10. 2018 mit  der

jetzigen Höhenbegrenzung der Bestandsdächer einstimmig beschlossen

 

 ABER ! im Zeitungsbericht zur Stadtratssitzung sagte Baureferent Markus Kühne,

man werde einen guten Kompromiss suchen, der alle zufrieden stellt.

Das bedeutet im Klartext, dass Haus Nr. 10, 8, und 6 mindestens 1,20 m höher

bauen müssen um eine bewohnbare WOhnraumhöhe zu bekommen.

Daher stellen wir den  Antrag die Festsetzungen unter Punkt 5 zu ergänzen.

1. Dachform nur Walmdächer, keine Abwandlung als Krüppelwalmdach oder Mansarddach

2. Wie im alten Bebauungsplan keine Dachgauben zulässig

3. Maximale Firsthöhen bleiben die jetzigen Bestandshöhen

4. Die Festsetzungen 12 -3 dienen der Freihaltung der Aussicht

   eine Befreiung von diesen ist nicht möglich

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Hier ein Zeitungsartikel. um was es geht (bitte anklicken)


 

Wir ersuchen um den Erhalt der Aussicht von der Bergauffahrt für die Amberger Bürger, Touristen

und zukünftigen Generationen:

Zusammenfassung:

Die Häuser Nr. 10 und 8 und 6 wurden Mitte 1960 gebaut.

Diese Häuser entlang des Fußwegs durften damals nicht höher gebaut werden, um die Aussicht zu

erhalten.

Das Grundstück mit diesem wunderbaren Panoramablick (Parkwiese und Fußweg) gehört der Stadt

und damit allen Bürgern. Deshalb hat die Stadt die Verpflichtung für den Erhalt der Aussicht zu sorgen

Der rechtskräftige Bebauungsplan mit dem dazugehörigen Grünordungsplan hatte als oberstes Ziel

den Sichterhalt vom Fußweg und Aussichtspunkt. Hierfür wurde sogar zur Verbesserung der Aussicht

das Gelände hinter diesen Häusern angeschüttet.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind zusätzlich für diese Häuser Walmdächer, mit "W" bezeichnet,

festgesetzt worden.

Wenn die Stadt trotzdem Satteldächer genehmigen würde, werden die Dächer von 100 % auf 220%

größer und die Dachhöhen werden von 2,10 m auf mehr als 3,90 m erhöht.

(s. Foto in Beschlussvorlage d. Bauamts: Anl. 5 Ausblick v. Fußweg aus n. Umbau d. Wohngebäudes Nr. 10)

Die Häuser Nr. 6 und 8 wurden nach den genehmigten Höhen im Bauantrag gebaut,

das Haus Nr. 10 steht offensichtlich 1/2 Stockwerk höher als der genehmigte Bauantrag

(S. Stellungnahmen der Stadtverwaltung zur frühzeitigen Auslegung in den Bauausschussunterlagen vom

10.L0.2018, Anlage 4).

Das kann man auch daran erkennen, dass die Hofeinfahrten von Haus Nr. 6 und 8 nur ca. 2,20 m hoch

sind, die Hofeinfahrt von Haus Nr. 10 aber 3,45 m hoch ist, das sind L,25 m mehr als die anderen

Hofeinfahrten und das ist ein 1/2 Stockwerk!

Das Bauvorhaben Haus Nr. 10 wurde offensichtlich abweichend von den genehmigten Bauunterlagen

errichtet, es handelt sich deshalb offensichtlich um einen Schwarzbau. Daneben sollen noch viele

andere Bauvorschriften missachtet werden.

Wenn dieses Haus damals schon L/2 Stockwerk höher gebaut wurde als genehmigt, müssen die Höhen

wenigstens jetzt am Bestand festgesetzt werden, damit keine weitere Erhöhung für die Zukunft möglich

ist. Man kann einen Schwarzbau nicht nochmal erhöhen, damit wird ein Unrecht mit dem nächsten

Unrecht getoppt.

Das Baureferat, vertreten durch Herrn Kühne, und unser Oberbürgermeister Michael Cherny

haben das öffentliche lnteresse der Bürger voll berücksichtigt und einen sehr gut erarbeiteten

Bebauungsplanentwurf vorgelegt, um die Aussicht für die Zukunft zu erhalten.

Der Stadtrat ist verpflichtet, für eine gute Entscheidung die rechtlichen Grundlagen zu würdigen und,

da es sich offensichtlich um ein schwarz errichtetes Gebäude in einer nicht genehmigten Höhe handelt,

diese Ausgangsbasis zu berücksichtigen.

Deshalb soll der Stadtrat vehement für die Interessen der Bürger eintreten und nicht für das lnteresse

eines Eigentümers, der trotz aller Einwände, eine Luxuswohnung bauen will und damit der

Allgemeinheit für immer Schaden zufügt.

Es geht jetzt darum: Wenn dieser fragliche Bau genehmigt würde, dann würde in dieser Angelegenheit

in Amberg das Recht und Gesetz nicht mehr geachtet werden!

Amberg, Oktober 2018 Freunde zum Erhalt des Ausblicks vom Mariahilfberg

 


Dipl. Ing. Reinhold Roedig  Stadtbaurat a.D.

12. Mai 2018

 

Offener Brief an Oberbürgermeister und Stadtrat der Stadt Amberg

zu dem Bauvorhaben Am Südhang 10

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Von besorgten Bürgern wurde ich über das Bauvorhaben informiert. welches den freien Blick vom

Aussichtspunkt an der Bergauffahrt zu beeinträchtigen droht. Ich war von 1980 bis 1989

Baureferent der Stadt Amberg und habe 1984 den Bebauungsplan ,,Am Südhang" unterschrieben,

nach dem dieses Vorhaben zu beurteilen ist. Ich sehe mich aufgrund dieser Verantwortung in einer

Pflicht zur Stellungnahme.

 

Der Bauherr beabsichtigt die Errichtung einer Wohnung in dem bisher als Walmdach nicht

ausgebauten Dachgeschoss und müsste dazu den First um 2 Meter anheben, wodurch der Blick auf

die Stadt von dem im Bebauungsplan eingetragenen Aussichtspunkt verspent würde. Bei einer

Genehmigung dieses Vorhabens könnten weitere Eigentümer von Grundstücken in diesem Bereich

eine gleiche Behandlung verlangen und den Ausblick weiter verbauen.

 

Oberbürgermeister Cerny hat der Initiatorin der Bürgerinitiative mitgeteilt, dass die Venrualtung das

Vorhaben nicht ablehnen könne, aber nach seiner Genehmigung eine Bebauungsplanänderung

vorschlagen wolle, durch die weitere Eingriffe verhindert werden solten. Ich erlaube mir, vor diesem

Vorgehen zu warnen.

 

1. Die Stadt Amberg steht unter keinem Zwang, das Vorhaben zu genehmigen. Es ist baurechtlich

unzulässig weil es eine Reihe von Befreiungen vom Bebauungsplan erfordert, die hier aufgrund §

31 des Baugesetzbuches (BauGB) nicht rechtmässig eteilt werden können.

 

2. Die Stadt muss auch keine Entschädigungsansprüche des Eigentümers befürchten. Sie können

durch Ablehnung eines dem Bebauungsplah widersprechenden Vorhabens nicht entstehen.

 

3. Wenn die Stadt dieses Bauvorhaben genehmigt, dann erklärt sie damit, dass vergleichbare

Vorhaben der anderen Eigentümer gegenwäftig zulässig sind. Wenn sie dann den Bebauungsplan

ändeft um vergleichbare Vorhaben abzuwehren, dann seEt sie sich selbsterzeugten

Entschädigungsansprüchen dieser Eigentümer aus'und beschädigt die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen

Planung. Dieses Vorgehen ist nicht zweckdienlich.

 

4. Ich widerspreche auch dem Argument dass die Vorgänger der heutigen Verantwottlichen in der

Verwaltung seinerzeit einen Fehler gemacht hätten, der nun keine andere Wahl lasse.

Der

Bebauungsplan garantiet im vorliegenden Fall den Schutz der Aussicht obwohl sich die Verhältnisse

inzwischen sehr verändert haben.

 

1984 war nicht davon auszugehen, dass alteingesessene Amberger Bürger ihre Wohnhäuser auf

Kosten eines von Mitbürgern und Besuchern geschätzten AussichtspunKes aufstocken würden. Die

im Blick liegenden Haueser wurden mit dem vorhandenen, nicht ausbaubaren Walmdach als

Bestand übernommen. Es war nicht vorherzusehen, dass daraus 34 Jahre später ein Renditeobjekt

mit 3 bis 4 selbständig vermietbaren Wohnungen werden sollte. Wenn solche Veränderungen

eintreten, hat die Stadt die Möglichkeit und auch Verpflichtung planerisch entgegenzusteuern und

sollte sich nicht auf angebliche Fehler der Vorgänger zurückziehen.

 

5. Die Stadt Amberg sollte daher das Bauvorhaben ablehnen, eine Planänderung zum SchuE des

Aussichtspunktes einleiten und vorübergehend eine Veränderungssperre zur Abwehr vergeichbarer

Vorhaben erlassen. Der Schutz der Aussicht kann z.B. durch Festsetzung der maximalen Firsthöhe

über Normalnull gewährleistet werden.

 

Wenn Bedenken fortbestehen, dass alte Bebauungspläne lückenhaft sein könnten, dann sollte eine

generelle ÜberprüfunE erfolgen. Die verbindliche Bauleitplanung bedarf kontinuierlicher Pflege um

neue Entwicklungen und Gesetzgebung zu berückichtigen.

 

Amberg liegt mir immer noch am Herzen, und ich hoffe, dass der Berg mit seinen schönen

Aussichten auch in Zukunft geschützt bleibt.

Reinhold Roedig