Beitragsseiten

 

Stadtrat fasst Grundsatzbeschluss

Weitermachen bis zum bitteren Ende

Amberg, 05.02.20. OB Michael Cerny hat bekommen, was er wollte: Mit Stadtratsmehrheit darf er mit Ten Brinke neue Vertragsbedingungen für die Bebauung des Bürgerspitalareals aushandeln. Zuvor hatte er der SPD noch ein Stöckchen hingehalten in Form eines Zusatzes im Grundsatzbeschluss, wonach wettbewerbs- und vergaberechtliche Aspekte geprüft werden sollen. Brav sprangen die Fraktion und eventuell letzte Skeptiker drüber.

Auslöser dürfte ein Brief von Alfons Swaczyna gewesen sein, in dem der Ltd. Stadtbaudirektor a.D. die Legitimität eines Nachverhandelns und Anpassens von Verträgen und Bebauungsplan in Frage stellte. Gleich zu Beginn der Sitzung am Montag stellte Hans Jürgen Bumes (Grüne) den Antrag auf Absetzung des Tagesordnungspunktes. Abgelehnt – mit denkbar knapper Mehrheit von 19 zu 18 Stimmen. Daniel Holzapfels (FA) Forderung nach Offenlegung des Kaufvertrags unter Ausschluss der Öffentlichkeit: geflissentlich übergangen. Einige Zitate aus der Debatte, die nicht immer Freude machen:

„Ich sehe die Verhandlungen mit Ten Brinke skeptisch. Er hat den gleichen Architekten, der schon die Storg-Fassade abreißen wollte. Und Sie können Gift darauf nehmen, dass sich die Anwohner eine Ausfahrt in den Spitalgraben nicht gefallen lassen.“ (Helmut Wilhelm, Grüne)

„Würde sich das Gebäude so phantastisch in die Umgebung einfügen, (wie Rudolf Maier (CSU) sagte, Anm.) hätte die Altstadtsatzung nicht geändert werden müssen.“ (Daniel Holzapfel, FA)

„Der Bau erhält eine noch nie dagewesene Fassadenbegrünung. Das gibt der Front Struktur. Wir müssen die Brache möglichst rasch beseitigen. Wir wollen was auf den Weg bringen und den Bürgern zeigen, dass kein Stillstand entsteht.“ (Dieter Mußemann, CSU)

„Wir haben Verträge mit Ten Brinke. Wie sieht denn das aus, wenn wir die nicht einhalten?“ (Michaela Frauendorfer, CSU)

„Wir sollten in Ruhe über die bisherige Planung nachdenken und auch die Argumente der Stadtheimatpflegerin hinsichtlich einer zurückhaltenderen Bebauung einbeziehen. Wie beim Forum sollten wir das Ganze neu überdenken. Dadurch geht keine Zeit verloren, vielmehr kommen wir zu einer viel besseren Planung als zuvor.“ (Klaus Ebenburger, Grüne)

„Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über Alternativen zu reden.“ (Uli Hübner, SPD)

Bei zehn Gegenstimmen wurde der Grundsatzbeschluss angenommen. Die Prüfung durch die Regierung der Oberpfalz, die Auslegung eines neuen Bebauungsplans und die Vertragsverhandlungen werden dauern. Letztlich wird es aber eine hoffentlich neue Stadtratsmehrheit nach dem 15. März richten müssen. Denn an diesem Montagabend wurde deutlich, wem die Stadt gehört. Den Bürgerinnen und Bürgern jedenfalls nicht. (al)

Siehe dazu auch "Meinungen".

 


 

Nach geologischem Gutachten auf Bürgerspitalgelände

Bauausschuss vergibt Chance auf Neuplanung

Amberg, 23.01.20. Unwillkürlich kommt einem Herbert Grönemeyers „Was soll das?“ in den Sinn mit der Strophe: „Warum hast Du mich nicht wenigstens gewarnt?“. Ein holländischer Investor hat sich verkalkuliert und steht auf einem bröckeligen, zerklüfteten Untergrund, die Stadt Amberg steht vor den Trümmern eines überdimensionierten Großprojekts. Im Lied wie im richtigen Leben ging es im Bauausschuss am Mittwoch nachmittag inhaltlich um Beziehungsprobleme. Nämlich um die, wie sich die Stadt verhalten soll, nachdem die Bohrungen auf dem Bürgerspitalgelände ergeben haben, dass die geplante Tiefgarage nur ein Stockwerk haben wird und die Einfahrt in der Bahnhofstraße komplett gestrichen ist.
 
Es war schon eine Aufführung der besonderen Art. Die Fragen der Ausschussmitglieder bezogen sich hauptsächlich darauf: Wie nennen wir das Kind? Ist die Tiefgarage mit ihren noch verbleibenden 107 Stellplätzen dann eine öffentliche, eine nichtöffentliche, eine teilöffentliche? Antwort: keine. Vor allem aber kein einziges kritisches Wort an Ten Brinke-Vertreter Andreas Kern, dass der Investor damit vertragsbrüchig wird. Denn Schuld sind schließlich die Ergebnisse der Tiefenbohrungen – stellenweise bis auf stolze 36 Meter – die für Uli Hübner (SPD) und Michaela Frauendorfer (CSU) viel zu spät entdeckt wurden. Doch da klärte Stadtheimatpflegerin Beate Wolters darüber auf, dass der schwierige Untergrund längst aus der Literatur bekannt ist.
 
„Extreme Verwerfungen und undurchsichtige Wasserläufe führen zu einer unbeherrschbaren Situation“, so der Statiker Manfred Klauditz, der die fünf Bohrungen auf dem Gelände ausgewertet hat. Das Grundwasser diffundiert und läuft in Felsspalten. Würden diese angebohrt, stiege das Wasser bis auf Grundwasserniveau. Beim Abpumpen könnten Setzungen auftreten, Risse in umliegenden Häusern – eben auch der Spitalkirche – wären die Folge. Ein unkalkulierbares Risiko, das niemand in Kauf nehmen will.
 
Versäumnisse der Stadt bestritt OB Cerny. Beim Wettbewerb seien alle Unterlagen zur Verfügung gestellt worden, auch die Untersuchungsergebnisse des Untergrunds bei der Wirtschaftsschule. Frühere Bohrungen hätten wegen des aufgetauchten Bodendenkmals nicht erfolgen können. Und „ins Blaue hinein“ ein Bodengutachten zu erstellen, ohne den Wettbewerbsausgang zu kennen, hätte nichts gebracht, so Baureferent Kühne.
 
Dass der Untergrund auf dem Bürgerspitalgelände drei Meter neben der Wirtschaftsschule ganz anders aussieht, war für Kern deshalb auch „nicht absehbar“. Auf Nachfrage von Beate Wolters, ob denn die Größe des Baus „überhaupt notwendig und sinnvoll“ sei oder die Planung nicht grundsätzlich überdacht werden sollte – auch angesichts des Positivbeispiels der entstehenden „Drei Höfe“ in der Bahnhofstraße – verteidigte Kern einfach nur sein „City-Konzept“. Der Handel denke zwar um und halte schließlich „die Innenstadt am Leben“, aber „kein Lebensmittler geht auf 600 qm“. Doch selbst mit weniger Tiefgaragenplätzen lohne sich das Projekt.
 
Zur Erinnerung: Es gab zu Projektbeginn eine andere Argumentation. Da hieß es, die Tiefgarage sei notwendig, damit außerhalb der Altstadt Wohnende bequem zum Einkaufsmagneten gelangen könnten.
 
Der Bauausschuss nahm alles hin, Hauptsache, es gibt überhaupt eine Tiefgarage. Einzig die Ausfahrtsplanung wird dahingehend überprüft, ob nicht auch sie über die Ziegelgasse statt im Spitalgraben erfolgen kann.
 
Dieter Mußemann (CSU) war frohgemut, dass die Maßnahme weiterlaufen kann, denn dann „stehen die Autos auf den 107 Stellplätzen und nicht im Stadtbild“. Und „ökologisch betrachtet“ sei es doch „sehr positiv“, wenn die Lebensmittelversorgung sichergestellt sei. Moment. War da nicht was mit Flächenversiegelung – ökologisch betrachtet? Innenstadtbewohnerinnen und -bewohner haben auch ohne Auto jetzt schon gute Einkaufsmöglichkeiten.
 
Weder Hans-Jürgen Bumes (die Grünen hatten einst gegen das Projekt gestimmt), noch Aydin Ayten (Amberger Bunt, die über Facebook einen Sinneswandel andeuteten hin zur Ablehnung einer nichtöffentlichen Tiefgarage) wagten es, deutliche Zweifel anzumelden: Wollen wir das ganze Projekt so dann überhaupt noch? Aber ja: Ten Brinke wird eine „angepasste Planung“ präsentieren, die Stadt den Kaufvertrag entsprechend „anpassen“ und einen neuen Bebauungsplan vorlegen. So läuft der Hase. Am 3. Februar wird der Grundsatzbeschluss des Stadtrats daher lauten: weiter so! Aber „was soll das?“ und vor allem: wer will das? (al)


 

Durchblick und Grünflächen statt Flächenversiegelung

"Denkmalnetz hat Bauchweh“ titelte die Amberger Zeitung gleich am Tag nach der Stippvisite von Vertreterinnen und Vertretern des „denkmalnetzbayern“ in der Amberger Bahnhofstraße. Und tatsächlich staunten die Angereisten nicht schlecht, als sie von Stadtrat Helmut Wilhelm (Grüne) hörten, wie die Planungen für „Storg“-Fassade/Forum und Bürgerspitalgelände sind. Kopfschütteln erntete OB Michael Cerny, der sich hinter den Stadtratsbeschlüssen selbst dann noch verschanzte, als eine Teilnehmerin von „Naziarchitektur“ sprach.


 

Die IG Menschengerechte Stadt wird gerne als „Verhinderungs“-Verein tituliert. Aber sind heute nicht viele froh, dass der Maltesergarten eine Augenweide ist und dort kein Parkhochhaus steht? Und ja: in diesem speziellen Fall wollen wir die geplante Bebauung des Bürgerspitalgeländes samt Tiefgarage à la Ten Brinke verhindern. Deshalb zeigen wir hier auch bewusst die visualisierte Form von der Bahnhofstraße aus nicht. Sie ist unrealistisch und peinlich. Peinlich vor allem für das Architekturbüro, das die Örtlichkeiten und das charakteristische Altstadtbild Ambergs völlig ignoriert und mit einem martialischen 0815/Bauklotz punkten will. Eine Blamage auch für den hiesigen Stadtrat, der sich hat blenden lassen.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

  Auch so könnte der Bebauungsplan fürs Bürgerspitalgelände aussehen.
  Die Blickachse Bahnhof-/Kasernstraße bliebe erhalten.


Gibt es Alternativen? Ja natürlich. Nur ein Beispiel, wie es mit Durchblick und Grünflächen statt Flächenversiegelung gehen kann. Die kubistische Darstellung vermittelt einen Eindruck davon, dass weniger manchmal mehr ist: Zwei- und dreigeschossige Wohnhäuser, altstadtgerecht gegliedert, durch die Anordnung und großzügigen Grünflächen, von Kieswegen durchzogen, bliebe die Blickachse Bahnhof-/Kasernstraße erhalten. Anschließend an den Eckert-Bau sind kleine Läden vorstellbar. 

 

      p2   

 

p3     Gut vorstellbar, wie eine lockere Bebauung auf dem Bürgerspitalgelände
     aussehen könnte. Angelehnt an den historischen Altstadtcharakter böte sie
     Platz für Wohnen und kleine Dienstleistungsbetriebe – ohne eine totale
     Flächenversiegelung

 

 

 

 

 


Und weil es Menschen braucht, keine Autos, die eine Stadt beleben, könnte das Bürgerspitalareal eine Anlage für betreutes Wohnen werden. Der ideale Ausgangspunkt für eine Stadtbummel oder kleinen Ausflug mit der Bahn.


Wie gesagt, das ist nur eine Alternative von mehreren. Denkbar ist auch die Einbeziehung der Ausgrabungen in eine Parkanlage oder ein Erweiterungsbau des Luftmuseums mit Anschluss ans Ring-Theater als Kulturzentrum. Beides wäre ein Gewinn für Amberg – für die Bewohnerinnen ebenso wie für Touristen.
al/Abb.: © mgs