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Nach geologischem Gutachten auf Bürgerspitalgelände

Bauausschuss vergibt Chance auf Neuplanung

Amberg, 23.01.20. Unwillkürlich kommt einem Herbert Grönemeyers „Was soll das?“ in den Sinn mit der Strophe: „Warum hast Du mich nicht wenigstens gewarnt?“. Ein holländischer Investor hat sich verkalkuliert und steht auf einem bröckeligen, zerklüfteten Untergrund, die Stadt Amberg steht vor den Trümmern eines überdimensionierten Großprojekts. Im Lied wie im richtigen Leben ging es im Bauausschuss am Mittwoch nachmittag inhaltlich um Beziehungsprobleme. Nämlich um die, wie sich die Stadt verhalten soll, nachdem die Bohrungen auf dem Bürgerspitalgelände ergeben haben, dass die geplante Tiefgarage nur ein Stockwerk haben wird und die Einfahrt in der Bahnhofstraße komplett gestrichen ist.
 
Es war schon eine Aufführung der besonderen Art. Die Fragen der Ausschussmitglieder bezogen sich hauptsächlich darauf: Wie nennen wir das Kind? Ist die Tiefgarage mit ihren noch verbleibenden 107 Stellplätzen dann eine öffentliche, eine nichtöffentliche, eine teilöffentliche? Antwort: keine. Vor allem aber kein einziges kritisches Wort an Ten Brinke-Vertreter Andreas Kern, dass der Investor damit vertragsbrüchig wird. Denn Schuld sind schließlich die Ergebnisse der Tiefenbohrungen – stellenweise bis auf stolze 36 Meter – die für Uli Hübner (SPD) und Michaela Frauendorfer (CSU) viel zu spät entdeckt wurden. Doch da klärte Stadtheimatpflegerin Beate Wolters darüber auf, dass der schwierige Untergrund längst aus der Literatur bekannt ist.
 
„Extreme Verwerfungen und undurchsichtige Wasserläufe führen zu einer unbeherrschbaren Situation“, so der Statiker Manfred Klauditz, der die fünf Bohrungen auf dem Gelände ausgewertet hat. Das Grundwasser diffundiert und läuft in Felsspalten. Würden diese angebohrt, stiege das Wasser bis auf Grundwasserniveau. Beim Abpumpen könnten Setzungen auftreten, Risse in umliegenden Häusern – eben auch der Spitalkirche – wären die Folge. Ein unkalkulierbares Risiko, das niemand in Kauf nehmen will.
 
Versäumnisse der Stadt bestritt OB Cerny. Beim Wettbewerb seien alle Unterlagen zur Verfügung gestellt worden, auch die Untersuchungsergebnisse des Untergrunds bei der Wirtschaftsschule. Frühere Bohrungen hätten wegen des aufgetauchten Bodendenkmals nicht erfolgen können. Und „ins Blaue hinein“ ein Bodengutachten zu erstellen, ohne den Wettbewerbsausgang zu kennen, hätte nichts gebracht, so Baureferent Kühne.
 
Dass der Untergrund auf dem Bürgerspitalgelände drei Meter neben der Wirtschaftsschule ganz anders aussieht, war für Kern deshalb auch „nicht absehbar“. Auf Nachfrage von Beate Wolters, ob denn die Größe des Baus „überhaupt notwendig und sinnvoll“ sei oder die Planung nicht grundsätzlich überdacht werden sollte – auch angesichts des Positivbeispiels der entstehenden „Drei Höfe“ in der Bahnhofstraße – verteidigte Kern einfach nur sein „City-Konzept“. Der Handel denke zwar um und halte schließlich „die Innenstadt am Leben“, aber „kein Lebensmittler geht auf 600 qm“. Doch selbst mit weniger Tiefgaragenplätzen lohne sich das Projekt.
 
Zur Erinnerung: Es gab zu Projektbeginn eine andere Argumentation. Da hieß es, die Tiefgarage sei notwendig, damit außerhalb der Altstadt Wohnende bequem zum Einkaufsmagneten gelangen könnten.
 
Der Bauausschuss nahm alles hin, Hauptsache, es gibt überhaupt eine Tiefgarage. Einzig die Ausfahrtsplanung wird dahingehend überprüft, ob nicht auch sie über die Ziegelgasse statt im Spitalgraben erfolgen kann.
 
Dieter Mußemann (CSU) war frohgemut, dass die Maßnahme weiterlaufen kann, denn dann „stehen die Autos auf den 107 Stellplätzen und nicht im Stadtbild“. Und „ökologisch betrachtet“ sei es doch „sehr positiv“, wenn die Lebensmittelversorgung sichergestellt sei. Moment. War da nicht was mit Flächenversiegelung – ökologisch betrachtet? Innenstadtbewohnerinnen und -bewohner haben auch ohne Auto jetzt schon gute Einkaufsmöglichkeiten.
 
Weder Hans-Jürgen Bumes (die Grünen hatten einst gegen das Projekt gestimmt), noch Aydin Ayten (Amberger Bunt, die über Facebook einen Sinneswandel andeuteten hin zur Ablehnung einer nichtöffentlichen Tiefgarage) wagten es, deutliche Zweifel anzumelden: Wollen wir das ganze Projekt so dann überhaupt noch? Aber ja: Ten Brinke wird eine „angepasste Planung“ präsentieren, die Stadt den Kaufvertrag entsprechend „anpassen“ und einen neuen Bebauungsplan vorlegen. So läuft der Hase. Am 3. Februar wird der Grundsatzbeschluss des Stadtrats daher lauten: weiter so! Aber „was soll das?“ und vor allem: wer will das? (al)