Veranstaltungsreihe

denk!mal amberg

kulturerbe – denkmalpflege – stadtentwicklung

Urkatasterplan von 1835 der Amberger AltstadtAmberg besitzt mit seiner Altstadt ein historisches Denkmalensemble, das in seiner baulichen Geschlossenheit europäischen Rang besitzt. Dieses überkommene Bauerbe ist Verpflichtung und Verheißung zugleich: Es gilt, es zu erhalten als auch stets neu zu entwickeln, in alten Mauern neues Leben zu ermöglichen. Hier die Balance zu finden, ist eine kontinuierliche Herausforderung. Es bedarf beides: Bewahren und Gestalten. Weder die Musealisierung noch der kommerzielle Ausverkauf der Altstadt sind eine Lösung. Ein engagierter Schutz ihres historischen Erbes macht die Stadt insgesamt attraktiv; eine vitale Stadt wiederum ermöglicht erst Erhalt und Nutzung des historischen Zentrums. Kurz: Denkmalpflege und Stadtentwicklung sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Sie sind unerlässliche Voraussetzung für ein lebendiges Kulturerbe, das nicht zur Kulisse erstarrt. Das konkrete Wie eines gewinnenden Ausgleichs beider Perspektiven wird stets erneut ausbuchstabiert werden müssen.

 

Die Veranstaltungsreihe wirft Schlaglichter auf aktuelle Themen in diesem Spannungsfeld von Kulturerbe, Denkmalpflege und Stadtentwicklung und ihre Bedeutung für Amberg. Dem dienen unterschiedliche Veranstaltungstypen wie Fachvorträge, Diskussionen, Ortstermine und Exkursionen.


Termine

Frühjahr 2022

Schiffgasse, Amberg
Denkmalführung
Das Altstadtensemble Schiffgasse
Notstain, Bootshaus, altes Stadtarchiv, Hochwasserschutz

Die Amberger Schiffgasse

Im Jahr 2011 wurde die Umgestaltung des Straßenraums der Schiffgasse abgeschlossen. Autos wurden weitgehend ausgesperrt; sie ist seitdem ein verkehrsberuhigter Bereich. Die Erwartung, dass dies die Initialzündung für eine positive Entwicklung einer der schönsten Ecken im Amberger Altstadtensemble würde, bewahrheitet sich nun – wenn auch vielleicht etwas später, als ursprünglich erhofft. Die Mehrheit der Häuser in der Gasse sind inzwischen renoviert, bis zur Schiffbrücke übrigens durchgängig Einzeldenkmäler mit teilweise mittelalterlicher Bausubstanz. Die zwei größten Denkmalsanierungen scheinen nach Abschluss das einlösen zu können, was von Anfang an das Ziel war: dass Leben am Fluss einkehrt, die Stadt mit dem Wasser verzahnt wird und eine kleine Flaniermeile an einer traumhaft schönen Vilspartie entsteht, die schon seit mehr als einem Jahrhundert ein beliebtes Postkartenmotiv darstellt. Dazu sind die Projekte von Bootshaus und Notstain angetreten: ein kleines Hotel, Gastronomie, Freischankflächen direkt an der Vils und zum Teil sogar auf ihr. Auch das benachbarte Luftmuseum wird davon profitieren, das mit ganz eigenen Ideen aufwartet, wie Luft, Stein und Wasser verbunden werden können.

Der krönende Abschluss dieser Entwicklung wäre eine gastronomische Teilnutzung des ehemaligen Stadtarchivs an der platzartigen Erweiterung der Schiffgasse vor dem Zeughaus. Der Vils-Kiosk der IG Menschengerechte Stadt und die Chillout-Zone dreier Amberger Service-Clubs haben bereits einen Vorgeschmack darauf gegeben, was an diesem überaus einladenden Ort möglich wäre. Doch leider ist dessen Umgestaltung zuletzt ins Stocken geraten; die Corona-Pandemie hat die finanziellen Spielräume zusätzlich verengt.

All diese positiven Errungenschaften wären beeinträchtigt, wenn die Vorplanung zum Hochwasserschutz in der Altstadt, die das Wasserwirtschaftsamt vorgelegt hat, unverändert umgesetzt würde. Insbesondere eine knapp meterhohe Ufermauer in der Schiffgasse würde die Zugänglichkeit zum Fluss komplett konterkarrieren. Der Stadtrat hat deswegen im Juli diesen Jahres beschlossen, eine Alternativplanung zu beauftragen, die hierzu ensembleverträgliche Lösungen erarbeiten soll.

Die Denkmalführung in der Schiffgasse wird diese Themen aufgreifen und mit dem Besuch der Baustellen von Bootshaus und Notstain auch einen Blick hinter die Fassaden ermöglichen. Insgesamt zeigt die Entwicklung in der Schiffgasse in geradezu paradigmatischer Weise, wie durch eine Aufwertung des öffentlichen Raumes auch private Investitionen angezogen werden. Insofern kann die Schiffgasse durchaus als beispielhaft für andere Altstadtbereiche gelten.


Vergangene Termine

Mittwoch, 29. September 2021

Vortrag mit Diskussion
Mathias Hensch
Amberg als archäologisches Denkmal
Faszination, Aufgabe und Verantwortung für 3000 Jahre Siedlungsgeschichte

Mathias Hensch am Keltengrab auf dem Amberger BürgerspitalgeländeDer Vortrag beleuchtete anhand ausgewählter Einblicke in den Boden der Altstadt unterschiedliche Aspekte der Amberger Geschichte von den frühen Kelten und frühmittelalterlichen Anfängen bis in die Neuzeit und verdeutlichte somit die hohe Aussagekraft archäologischer Quellen für die Stadtgeschichte. Zugleich wurde sichtbar, dass das obertägig erhaltene Altstadtensemble untrennbar mit den im Boden erhaltenen Spuren der Vergangenheit verbunden ist und verantwortungsvolle Denkmalpflege sich nicht auf den Erhalt historischer Fassaden beschränken darf.

Dr. Mathias Hensch ist Referent für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Mit zahlreichen Grabungen und Publikationen ist er ein ausgewiesener archäologischer Experte zur Siedlungs-, Kirchen-, Herrschafts- und Wirtschaftsgeschichte der Oberpfalz. Von 2016 bis 2018 leitete er die archäologischen Grabungen auf dem Amberger Bürgerspitalgelände.

Eine Zusammenfassung des Vortrags sowie eine Videoaufzeichnung finden Sie hier:

Bericht


Mittwoch, 28. Juli 2021

Podiumsdiskussion
Altstadt bewahren & gestalten
Denkmalpflege und Stadtentwicklung auf der Höhe der Zeit

Amberger MarktplatzWelchen Wert haben Baudenkmäler und ihre Erhaltung für eine Stadtgesellschaft und Stadtkultur? Was ist ein Denkmalensemble? Wie kann zeitgemäße Denkmalpflege gelingen? Wie ist sie finanziell überhaupt noch leistbar? Wie kann modernes Wohnen, Leben und Wirtschaften in der Altstadt aussehen? Verträgt sich Denkmalschutz mit Klimaschutz? Mit wirtschaftlichen Interessen? Was zeichnet eine qualitätsvolle und denkmalgerechte Baukultur aus? Welche Nutzung und Gestaltung ist für Straßen, Gassen und Plätze denkbar und sinnvoll? Ist eine autofreie Altstadt erstrebenswertes Ziel oder Traumtänzerei? Wie lassen sich Denkmalpflege und Stadtentwicklung zusammen und nicht gegeneinander denken?

Zu diesen und ähnlichen Fragen diskutierten im Amberger Ringtheater Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, Birgit Angerer, Sprecherin des Denkmalnetzes Bayern, der Berchinger Architekt Michael Kühnlein und Johannes Peter Steidl, Architekt und Stadtplaner aus Neunburg vorm Wald.

Eine ausführliche Nachlese sowie eine Videoaufzeichnung finden Sie hier:

Bericht