Innenstadtmillion - mehr Fluch als Segen?
von Johannes Lösche (AZ Leserbrief vom 24.02.2025)
Es war einmal ein kleiner See. Er zog uns täglich in seinen Bann. Wir blieben stehen. Sahen den vielen kleinen und größeren und verschieden farbigen Goldfischen zu. Bewunderten Teichhühner, die auf den Blättern der Seerosen watschelten oder ein Entenpaar, das von der nahen Vils herübergekommen war.
Selten standen wir allein am Ufer des kleinen Sees. Oft waren es Eltern mit ihren Kindern, die die Wunder, die der kleine See barg, entdeckten und bestaunten. Eines Tages war die Zahl der Goldfische mehr als halbiert. Die offenen Wasserflächen wurden immer kleiner und verschwanden bald ganz. Der kleine See war zu einem unansehnlichen Gestrüpp geworden.
Auch eine Mitarbeiterin der Stadtgärtnerei bedauerte den Zustand des einstigen Wunders und sagte: Den kleinen See zu retten, sei ihnen nicht erlaubt. Und jetzt muss ich lesen: "Stadtrat stimmt erneut mehrheitlich für Waserspielplatz ..." für Zwei- bis Fünfjährige. Ich kann es nicht fassen. Man ist zwar Einiges gewohnt. Aber nun auch das noch, was in Größe, Material und Aussehen dem am Piratenspielplatz gleichen könnte! Und das im Stadtgraben anstelle des kleinen Sees! Die Omas und Opas sind als Aufsichtspersonen eingeplant. Sie werden noch schnell genug sein müssen, um die kleinen, flinken Enkel vor dem Sturz in die Vils zu retten. Das aber nur in den warmen Monaten. In den fünf kalten Monaten gibt es kein Wasser. Da ist der Platz nur eine wahre Freude für die Augen - falls die Vils nicht gerade Hochwasser führt und den Platz überschwemmt.
Für die Mehrheit im Amberger Stadtrat gibt es kein "Wenn" und kein "Aber", vielleicht auch nicht die Fragen: Werden die Kleinen mit Grund- oder Regenwasser oder gar mit dem Wasser der Vils spielen müssen? Wie rein muss es sein? Wie kalt darf es sein? Wer wird den Spielplatz betreuen, das Wasser kontrollieren, unliebsame Besucher fernhalten? Werden die Omas und Opas mit Badetuch und Wasserschuhen unter dem Arm und mit ihren Enkeln an der Hand, während deren Eltern einen Einkaufsbummel in Ambergs Einkaufsmeilen machen, den Wasserspielplatz besuchen und dann vom Rand aus wie Luchse auf die Kleinen aufpassen?
Ach ja, was kostet eigentlich das Ganze? Und nicht zuletzt: Was werden die 923 Unterzeichner der ,Online-Petition gegen den Wasserspielplatz'' nun von der Mehrheit des Stadtrats halten? Ein Wasserspielplatz im Stadtgraben erfüllt nicht den Wunsch nach "Kindern mitten in der Stadt" (CSU-Stadtrat Florian Füger). Nein! Aber weniger Autos, mehr Grün, gesunde Bäume in der Stadt und - der kleine See im Stadtgraben. Das erfüllte den Wunsch!
Johannes Lösche, Amberg
„Neujahrsempfang der Stadt: Michael Cerny macht sich Gedanken über das Glück“
von Alfons Swaczyna
Ltd. Baudirektor a.D.
Man mag es kaum glauben! Nach dem Pressebashing in der letzten Stadtratssitzung 2023 in Richtung Leserbriefschreiber im Zeichen des Friedenslichtes setzt Oberbürgermeister Cerny dieses Jahr dem noch die Krone auf, indem er scheinbar bewusst beim Neujahrempfang diesmal vor einem großen Publikum die Abqualifizierung der Bürger, die sich auf der Grundlage der freien Meinungsäußerung für ihre Stadt einbringen, wiederholt. Kritische Leserbriefe sind keine Fake News und erst recht kein Verstoß gegen das achte Gebot. Sollte der Oberbürgermeister noch dazu vor den zahlreich versammelten Honoratioren der Stadt dies unterstellt haben, wäre dies sehr bedenklich und ehrverletzend gegenüber den Verfassern.
Ist es Oberbürgermeister Cerny denn nicht bewusst, dass die Bürger, die sich zu Themen der Stadt kritisch einbringen, nur ihre demokratischen Rechte wahrnehmen? Sie sind bestimmt keine Gefahr für die Demokratie, wenn sie mutig über die Presse den bürgerschaftlichen Diskurs suchen. Ganz im Gegenteil. Dazu müssen sie aber in keiner Partei sein, die jede für sich ideologisch ausgerichtet ist und oft wenig Spielraum für konträre Meinungen lässt. Nein, die Parteien sind nicht allmächtig unfehlbar und haben nicht immer recht. Gott sei Dank gibt es das Podium der freien Presse, wo sich unabhängige Bürger mit Kritik und Sachverstand gegenüber der Politik und Verwaltung äußern können und auf diese Weise zur dialektischen Meinungsbildung beitragen
Ja es gab und gibt immer wieder engagierte Bürger mit Verve und Sachverstand, die sich für ihre Stadt unbequem für die Regierenden in Wort und Tat für ihre geliebte Stadt einsetzen. Erinnert sei an die Personen, die sich etwa früher für eine denkmalverträgliche Altstadtsanierung und für den Erhalt des Stadttheaters eingesetzt haben und in der Gegenwart sich gegen den Abriss der Fassaden beim Umbau des Forums/Kaufhaus Storg und gegen die nicht altstadtgerechte Bebauung des Bürgerspitalgeländes erfolgreich gegen den Widerstand der Verantwortlichen einsetzt haben. Wenn der Oberbürgermeister schon beim Neujahrsempfang sich seine Gedanken zum Glück macht, sollte er sich glücklich schätzen, dass es solche Mitbürger gibt. Denn sie handeln in Abwandlung des Zitates von J.F.Kennedy: „Fragt nicht, was euere Stadt für euch tun kann – fragt, was ihr für Eure Stadt tun könnt.“
Scheinbar will OB Cerny durch seine Kritik die kritisierten Leserbriefschreiber bewusst ausgrenzen und mundtot machen. Den Gefallen machen wir ihm bestimmt nicht. Er sollte lieber als erster Mann der Stadt sich überwinden und vorbildlich für alle das persönliche Gespräch suchen und nicht coram publico seine unsubstantiierte Kritik verbreiten.
Darum ist der Streit um das Wort "Biotop" sinnlos
Auf den Beitrag "Muntere Diskussion über Amberger Biotop, das gar kein Biotop ist" vom 25. Oktober bezieht sich dieser Leserbrief:
Man kann Debatten auch am falschen Ende anfangen. Ob das zum richtigen Ergebnis führt, ist allerdings die Frage. Es geht um einen - sagen wir das mal so - mittlerweile arg zugewucherten kleinen
Weiher im Stadtgraben, der abgebaggert werden soll, um einen (neudeutsch) "Action-Wasserspielplatz" zu bauen.
Jetzt kann man natürlich drüber streiten, ob der Weiher ein "Biotop" ist oder keines. Nur ist das ein - ziemlich sinnloser -Streit um Worte. Fakt ist zunächst einmal, dass die Stadt selbst den
Teich als "Biotop" bezeichnet. Das kann weg, steht in der Beschlussvorlage, weil es bei der angeblich notwendigen Sanierung sowieso zerstört würde. Da drängen sich zwar Fragen auf, zum Beispiel,
warum die Stadt den Weiher hat verkommen lassen und wieso eine schonende Sanierung ausgeschlossen sein soll. Aber das wäre ein anderes Thema.
Das Wort "Biotop" bedeutet nicht mehr - und nicht weniger! - als einen Platz (griechisch Topos), an dem Leben (griechisch Bios) ist. Ob jemandem diese Art von Leben oder Lebewesen willkommen ist
oder nicht, spielt keine Rolle.
Der Bauer spritzt halt das Wildblumenbiotop am Ackerrain (wo es den noch gibt) als "Unkraut" weg und nimmt der Insektenkolonie die Nahrung; Wanderern hätten Blumen und Schmetterlinge aber
gefallen und manchem Tier geschmeckt. So ist das auch mit dem Teich und den Goldfischen darin.
Manche meinen, das Grün- und Viehzeug kann weg. Andere meinen das nicht, weil Wildkräuter, Teiche und (Gold-) Fische doch eine Funktion, irgendeinen Nutzen auf diesem Planeten haben - und sei es,
dass die Fische Larven fressen, zum Beispiel die von Stechmücken. Was übrigens sonst noch an Tieren im Teich lebt, hat bis heute niemand der Öffentlichkeit erklärt! Der ökologische Wert - auf den
käme es an - des Teichs ist unklar.
Also ist der Streit um das Wort "Biotop" sinnlos. Es geht darum, in welcher Welt - oder Umwelt - wir leben wollen. Die Stadtratsmehrheit hat dazu eine klare Meinung: "Action" statt "naturnah".
Und "Action" heißt eben Zement und Sand statt Teich und Schilf. Die Herrschaften reden gern von repräsentativer Demokratie, wenn sie ihren Dickschädel durchsetzen wollen. Der CSU-Ortsverband
Stadtmitte wünschte sich im Amberger Millionenspiel, den Teich zu sanieren. Das interessiert aber nicht. Noch weniger die inzwischen fast 300 Unterschriften von Menschen aus Amberg bei der
Petition für den Teich - "ein Idyll der Ruhe und Entspannung", wie einer der Kommentare lautet.
Wolfgang Schimmel, Amberg
Leserbrief zu den AZ-Artikeln 27./28.09.2024 zum Thema „Selfie-Points in Amberg“
Verfasser: Alfons Swaczyna (leitender Baudirektpor a.D:)
Herr Dr. Schöberl weiß sich bei der Diskussion und Kritik an der Vergeudung von Steuermitteln (50.000 Euro) für sog. Selfie-Points nicht anders zu helfen, als die überwiegend kritischen Kommentare auf der Beteiligungsplattform „als gezielte Aktion zum Missbrauch der Bürgerbeteiligung“ durch engagierte Bürger der Stadt darzustellen. Zum wiederholten Mal wird die „IG Menschengerechte Stadt“ öffentlich zum Buhmann gemacht und das Recht auf Meinungsäußerung in Frage gestellt. Der Kreisvorstand der CSU unterstützt in einer extra Pressemitteilung diese ungehörige Art der Bürgerbeschimpfung durch die Kritik am Abstimmungsverhalten anderer Fraktionen im Stadtrat noch. Es darf in Erinnerung gerufen werden: Alle 200 Mitglieder der IG Menschengerechte Stadt sind ehrenwerte Bürger Ambergs und haben Respekt verdient. An diesem fehlt es manchen CSU-Vertretern scheinbar.
Eine parteipolitische Profilierung mit Steuergeldern für Klimbim ist kein Pappenstiel. Herr Dr. Schöberl versucht zwar die unnötigen Ausgaben von 50.000 Euro für die Selfie-Points nur als 0,13% des Investitionsvolumens zu beschönigen. Sie sind dadurch wie insgesamt die sog. „Innenstadt-Million“ und auch die sog. „Stadtteil-Million“ angesichts der Haushaltslage nicht gerechtfertigt. Denn der Bürger wurde in den letzten Jahren von der Stadt durch verschiedene Erhöhungen von Steuern und Abgaben in allen Bereichen der Daseinsvorsorge kräftig zur Kasse gebeten. Dies spürt jeder Bürger in seinem Geldbeutel. Ein Beispiel für eine kräftige Erhöhung für Hauseigentümer und Mieter: Um den Haushalt 2021 von der Regierung der Oberpfalz genehmigt zu bekommen, musste die Stadt ab 2023 die Hebesätze der Grundsteuern kräftig erhöhen: Grundsteuer A von 250 v.H. auf 320 v.H., Grundsteuer B von 340 v.H. auf 400 v.H.
Ab 2025 erhöht sich zusätzlich auch noch die neue Grundsteuer. Mit den Steuergeldern der Bürger soll die Stadt Amberg deshalb treuhänderisch für die Bürger beispielweise die Infrastruktur ausbauen und erhalten, um so das wertvolle Anlagevermögen der Stadt (Straßen, Brücken, Kanal, Gebäude etc.) nicht verkommen zu lassen. Immense Ausgaben entstehen auch in anderen Bereichen (z.B. Soziales, Personal etc.). Auch für das dramatische Defizit von 15 Millionen Euro (2024) für das Klinikum Amberg wird immer der Bürger bezahlen müssen. Er hat ein Recht zu verlangen, dass es nicht demokratischer legitimiert für Unnötiges ausgegeben wird.
Fazit: Es bleibt kein finanzieller Spielraum für unnötiges Schnickschnack wie die Selfiepoints. Eine durchsichtige parteipolitische Selbstbedienung darf nicht zu Lasten der Steuergelder der Bürger gehen. Dies kritisieren die Bürger in ihren Beiträgen zu recht und durchaus im Sinne der schweigenden Mehrheit. Wir, die wir uns beteiligen, verwahren uns dagegen, von einer Partei wie der CSU an den Pranger gestellt zu werden. Etwas mehr Respekt bitte meine Herrschaften!
"Wer Verdruss will, muss es genau so machen"
Leserbrief zum Artikel "Selfie-Points in Amberg werden trotz Kritik umgesetzt" vom Freitag, 27. September 2024:
Gerne redet man von "Politikverdrossenheit" mit leicht kritischem Unterton über Menschen, die sich nicht mehr engagieren: Das sei "Desinteresse der Bevölkerung am politischen Geschehen"
(Bundeszentrale für politische Bildung). Aber "Verdrossenheit" - das heißt Mangel an Interesse - kommt von "Verdruss" - das heißt andauerndem Ärger - und der fällt nicht vom Himmel, sondern wird
auf Erden gemacht, besonders gut von einer sich christlich nennenden Partei.
Könner beim Herstellen von Verdruss sitzen auch in der Amberger Kommunalpolitik. Eines ihrer Arbeitsfelder nennen sie "Bürgerbeteiligung". Da gäbe es genug alte Geschichten zu erzählen, etwa die
vom Bürgerrat, dessen Empfehlungen zum Städtebau auf dem Bürgerspitalgelände erst gelobt und dann in die Tonne getreten wurden.
Aber die neueste Geschichte ist die beste. Unter mitmachen.amberg.de durften die Menschen in Amberg mitbestimmen, wo in der Stadt vier "Selfie-Points" (50.000 Euro) aufgestellt werden sollen.
Wohlgemerkt: Wo, nicht ob! Den "Unfug" - so der erste Kommentar auf der Beteiligungsplattform - hatten die hohen Repräsentanten unserer städtischen Demokratie ja schon beschlossen. Daran darf das
gemeine Volk nicht rütteln, schon gar nicht, wenn der Stadtrat dem CSU-Kronprinzen für die Wahl 2026 einen Wunsch erfüllt und dessen Image ein wenig poliert.
Offensichtlich hat aber das Volk nicht gespurt. Statt einem braven "Mitmachen" hagelte es nach dem schon zitierten "Unfug" negative Kommentare, insgesamt über 20. Ein übler Fall von
Insubordination, dem die Stadt sofort entgegengetreten ist: Nach Abschluss der Abstimmung sind alle Kommentare verschwunden, geblieben ist nur die Anzeige, dass es davon einmal drei Seiten gab.
Für öffentliche Ruhe - erste Bürgerpflicht! - ist gesorgt. Welche vier der vorgeschlagenen neun Standorte für einen sinnfreien Hintergrund für Selbstporträts ein paar Leute sich denn nun
gewünscht haben, teilt die Stadt nicht mit. Anscheinend aus guten Gründen, denn die Abstimmung ist wohl auch in diesem Punkt in die Hose gegangen. In ihrer Weisheit hat aber eine, diesmal knappe,
Mehrheit im Bauausschuss einen Weg gefunden, auch diesen Teil des Desasters zu vertuschen: Die Tafeln mit #Amberg kommen dahin, wo die Wenigsten dagegen sind. Ein Lehrstück! Wer Verdruss will,
muss es genau so machen.
Wolfgang Schimmel, Amberg
Zum Artikel "Selfie Points werden trotz Kritik umgesetzt" :
Die Stadt bittet zunächst die Bürgerinnen und Bürger in einem eigens eingerichteten Portal über die Errichtung von Selfie-Points ihre Meinung kundzutun, mit der Möglichkeit ausgewählte Plätze mit
Ja oder Nein zu bewerten und einen eigenen Kommentar abzugeben. Dann stellt sich heraus, dass kurz vor Ablauf alle Teilnehmenden fast ausnahmslos die meisten Bilder mit Nein bewertet haben und
sämtliche 25 Kommentare bis auf einen (ein Smiley) auch negativ ausgefallen sind.
Jetzt das Unglaubliche, eigentlich schon ein Skandal: Statt, dass diese Kommentare noch nachlesbar sind, wurden sie alle gelöscht und auf null gesetzt. Somit gibt es keine Möglichkeit, das
nachzuvollziehen. Nur weil es einigen oder einem der Initiatoren nicht passt, wie diese Schnapsidee entsprechend bewertet wurde.
Und in der Bauausschusssitzung am 25. September werden nicht, wie im Mitmachportal angekündigt, die vier am meisten positiven Bewertungen für Selfie-Point-Standorte dem Stadtrat vorgeschlagen (in
Ermangelung entsprechender Bewertungen), sondern die am wenigsten negativen. Was ist das denn für eine Verar ... ?
Stefan Reuther, Amberg
Sehr eigentümlicher Umgang mit dem Bürgerentscheid in Sachen Bürgerspitalgelände
Welch eine Überraschung. Am 24. Januar wurden die Türen bei der Beratung über die Zukunft des Bürgerspitalgeländes wieder zugeklappt: Schluss mit lustig bei Bürgerbeteiligung, stattdessen
Behandlung im nichtöffentlichen Teil der Bauausschusssitzung. Oberbürgermeister Michael Cerny teilte unverblümt mit, wer jetzt das Sagen hat. Letztlich hänge nämlich alles von den Vorstellungen
eines möglichen Investors ab: "Wir wissen doch noch nicht, will der mehr oder weniger Parkplätze bauen." Das ist nun ein sehr eigentümlicher Umgang mit Bürgerbeteiligung: Soll wirklich der
Investor seine "Vorstellungen" durchsetzen können? Spielt es keine Rolle, was beim Bürgerentscheid abgelehnt wurde und was der von der Stadt eingesetzte Bürgerrat empfohlen hat? Unter Ausschluss
der Öffentlichkeit wurde - vorerst! - nur beraten, was in der Ausschreibung stehen soll, aufgrund derer sich Investoren um das Grundstück bewerben können. Dass der Text einer solchen
Ausschreibung allen potenziellen Interessenten gleichzeitig zugänglich gemacht werden muss, leuchtet ein und ist auch so vorgeschrieben. Trotzdem gibt es keinen Grund, schon im Vorfeld ein
Brimborium von Geheimhaltung zu veranstalten, damit "externe Bewerber" nicht benachteiligt werden. Die ortsansässigen wissen längst, um welches Grundstück es geht, und kennen die Vorgeschichte
sowie die Pläne aus dem Baureferat; andere eben nicht - das lässt sich nicht vermeiden! Ob aber z.B. dem Investor das Eigentum am Grundstück oder - vernünftiger Weise - nur ein Erbbaurecht
angeboten werden soll, ob wieder ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden soll, das gehört schon in die Öffentlichkeit. Mindestens so viel an Transparenz darf und muss sein, auch
wenn Cerny das anders sehen will. Dass die CSU es anders lieber mag, hat sie gerade vorgeführt und ohne nachvollziehbare öffentliche Diskussion fast die Hälfte der "Innenstadt-Million" für
Vorschläge aus der CSU verplant. "Wir versuchen einfach, Recht und Gesetz einzuhalten, um zu vermeiden, dass jemand gegen uns klagt", begründet Cerny die Geheimniskrämerei. Es könnte sein, dass
es wieder einmal beim erfolglosen Versuch bleibt, und Stadtspitze nebst Stadtratsmehrheit später von der Justiz erfahren, was "Recht und Gesetz" ist. Das war nicht nur im Normenkontrollverfahren
gegen den Ten-Brinke-Plan so, sondern auch in so schrägen Affären wie um die Mauer in der Dostlerstraße.
Wolfgang Schimmel, Amberg
Leserbrief in der Amberger Zeitung vom 24. Januar 2024
Wenn die Zahl der Parkplätze in der Altstadt reduzieren würden, könnten grüne Oasen entstehen
Dass auch in 2024 in Ambergs Altstadt nicht das geschehen wird, was schon längst hätte geschehen müssen: sinnvolle Schritte hin zu einer menschengerechten Stadt, - zu einer Stadt mit schattigen
Straßen und Plätzen für alle, mit Nischen und Orten, die Sitzmöglichkeiten unter Bäumen und an Brunnen bieten, - zu einer Stadt, in der in den dann schönen Straßen wieder Läden eröffnet werden...
dass auch in 2024 nichts dergleichen geschehen wird - ein bloßer Verdacht?
Einen Bus monatelang durch die Stadt fahren lassen ... Im Bus meistens der Fahrer allein. Zwischen Herrnstraße und Untere-Nabburger-Straße ca. 70 Meter zur Spielstraße erklären ... Kaum ein Auto
fährt Schritt. Eine Seite der Bahnhofsstraße für die Radfahrer kenntlich machen ... Oft blockieren Autos den Streifen. Ach ja, es sollten doch sinnvolle Schritte sein.
Ich gehe täglich durch die Stadt. Durch die Ziegelgasse, durch die Herrnstraße, durch die Obere und Untere Nabburger Straße. Nein, ein Vergnügen ist das nicht. Die Straßen müssten schöner sein,
einladender. Ich kenne den Malteserplatz, den Paulanerplatz, den Paradeplatz ... Plätze, die einfach den Autos ausgeliefert sind.
Das aber macht die Plätze unansehnlich und abstoßend. Auch der kleine, mit Bäumen bepflanzte Viehmarkt mit Raumbergers Schweindl-Brunnen ist umrandet von Blech. Schön ist das wahrlich nicht. Und
denke ich an das Bürgerspitalgelände, dann beschleicht mich ein Verdacht. Sollten etwa die Vorschläge für die Nutzung des Geländes - auch der von dem Bürgerrat favorisierte - in Schubläden
verstaut werden, um in Vergessenheit zu geraten?
Kommt da jemandem etwa der Gedanke, das Gelände zum Parken freizugeben? Und wozu die eine Million, die - von wem und woher sie auch kommen mag - "in den Ring geworfen" worden ist? In mir regt
sich der Verdacht, hier sollen die Leute zum Narren gehalten werden.Am Jahresbeginn dürfen doch Wünsche geäußert werden. Ich tue es. Ich tue es wieder.
Seit dem vergangenen Jahr weiß ich genau, ich bin mit den Wünschen nicht allein. Auch weiß ich, dass es immer mehr Städte gibt, in denen ernsthaft versucht wird, den Bürgern diese, genau diese
Wünsche zu erfüllen. Und so wünsche ich, dass Ambergs Altstadt nicht länger dem "motorisierten Individualverkehr" überlassen wird, dass es im Stadtrat keine Kämpfe um jeden Parkplatz mehr geben
wird, sondern dass sich allein darum bemüht wird, die Zahl der Parkplätze stark zu reduzieren.
Dann entstünden kleine grüne Oasen. Die Straßen wären nicht mehr baumlose Beton- und Asphaltflächen, sondern glichen eher bescheidenen Alleen. Ja, Amberg wäre endlich eine Stadt, die mehr und
mehr für alle da ist, auch für die Alten.
Es möge sich der Verdacht, dass nichts geschehen wird, und wenn doch, dann nur etwas Sinnloses oder gar etwas Falsches - dieser Verdacht möge sich nicht bewahrheiten.
Johannes Lösche, Amberg
„Mehr Grün, mehr Spielgeräte: Das soll aus der Innenstadt-Million umgesetzt werden“
(Onetz 12.11.23, 19:49)
Nach der Beratung im Hauptausschuss ist die „Innenstadt-Million“ im Entwurf für den Haushalt (Investitionsprogramm vom 16.11.2023) untergebracht. Ein genauerer Blick darauf lohnt sich.
Der Großteil (355.000 €) soll für mehr „Grün“ in der Innenstadt ausgegeben werden. Dazu gab es auch mehr als fünf Vorschläge mit über 300 Unterstützungen. Für Bäume, Rank-Elemente und ein
begrüntes Sonnensegel reichlich ein Drittel – so weit, so gut. Man könnte sich natürlich fragen, ob für das Stadtklima ausgerechnet und nur am Salzstadelplatz Bäume gut wären, und ob der
Multifunktionsplatz durch Rank-Elemente wirklich an Aufenthaltsqualität gewinnt.
Wieso aber sind fast alle Vorschläge zur Verkehrsberuhigung in der Innenstadt unter den Tisch gefallen? Fast – einer hat es in den Haushalt geschafft: „Parklets“ an Stadteingängen, z.B. Sitzbänke
auf Parkplätzen, nach Bedarf auf- und abzubauen. Ob eine solche „Ruhe- und Infoinsel“, wie es im Vorschlag heißt, neben dem weiterhin fließenden Verkehr attraktiv wäre, ist zu bezweifeln. Aber
die Idee stammt vom CSU-Ortsverband Dreifaltigkeit mit freundlicher Unterstützung aus dem CSU-Ortsverband Stadtmitte. Dafür gibt es 210.000 €.
Und damit sind wir bei der entscheidenden Frage, wie da ausgewählt wurde. Von 242 Vorschlägen haben es 15 in die von Dr. Schöberl im Hauptausschuss präsentierte Auswahl geschafft. Sechs davon
stammen offensichtlich aus der CSU oder von CSU-Mitgliedern. Das riecht schon einmal streng. Schaut man sich aber zwei Beispiele genauer an, dann stinkt es gewaltig: „Digitale Displays“
(80.000 €) wünschte sich der CSU-Ortsverband Stadtmitte (eine Unterstützung), einen „Selfie-Point“ (50.000 €) der CSU-Fraktionschef höchstpersönlich (drei Unterstützungen). Beides kam
in die engere Wahl und in den Haushaltsentwurf, obwohl Zweifel auf der Hand liegen. Welche Selfie-Fans stellen sich schon vor eine öde Tafel mit dem Wort „Amberg“, wenn es genug schöne
Originalschauplätze gibt? Im Normalfall erscheint im Selfie obendrein die Schrift spiegelverkehrt. Es ist nur noch peinlich, aber passt schon zur CSU: Wer das Weihwasser hat, segnet sich selbst
zuerst. Vorschlagen durften „auf Antrag der CSU-Fraktion Bürger aus der Stadt Amberg“ schon, „wofür das Geld ausgegeben werden soll“ (AZ). Aber „Bürger“ und CSU-Fraktionschef spielen halt nicht
in der gleichen Liga!
Nach dem üblichen Amberger Ritus könnte der Haushalt wieder einstimmig beschlossen werden. Ob sich jemand dabei geniert? Ansonsten: Willkommen am 50.000-Euro-Selfie-Point.
Wolfgang Schimmel, Amberg
"Friedenslicht und Schelte für die Presse in der letzten Stadtratssitzung 2023"
Welch ein Kontrast? Einerseits zum Abschluss des Sitzungsjahres das Friedenslicht verteilen und andererseits unfriedlich Presse-Bashing zu betreiben, weil diese sachlich und lokalpolitisch korrekt ausführlich am 6. Dezember über den städtischen Haushalt 2024 und damit über die Verwendung unserer Steuern und Abgaben berichtet hat. Von wegen wird die Lokalpolitik dabei an den Rand gedrängt, wenn die Presse dieses Kernthema zum Schwerpunkt ihrer Berichterstattung macht. Der Leser will wissen, was mit seinen Steuergeldern konkret geschieht. Die politischen Kommentierungen dazu sind gewiss zweitrangig.
Mit der entlarvenden Aussage von OB Cerny „Die Fraktionsvorsitzenden hätten wahrscheinlich Leserbriefe schreiben sollen“ wollte er natürlich indirekt die kritischen Leserbriefschreiber treffen, die im Laufe des Jahres ihr Grundrecht auf freie und kritische Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Damit hat er scheinbar ein Problem. Es sei ihm deshalb ins Stammbuch geschrieben:
Medien und damit konstruktiver Journalismus haben in der Demokratie eine vermittelnde Funktion. Der Bürger ist in der Demokratie auch außerhalb von Parteienzugehörigkeit ein Teil des Ganzen. In Leserbriefen kann und darf er sich Gott sei Dank ohne Zensur äußern und dadurch zur Meinungsbildung beitragen. Da sich nach einer Studie schon ein Viertel der Bevölkerung von den Medien verloren und erst recht von der Politik alleine gelassen fühlt, ist es umso wichtiger, dass engagierte und kritische Bürger über die Presse Gehör mehr finden. Oder sollen sich weiter die Bürger von der Demokratie entfremden. Dies treibt sie auch in Amberg in andere Fänge (Landtagswahl Stadt Amberg: AfD 18,7%; Stimmbezirk Barbaraschule AfD 46,7%).
Die Medien sind beileibe keine Hofberichterstatter für einen OB. die Politik und Verwaltung. Sie haben das breite Meinungsspektrum der Gesellschaft abzubilden, was schwierig genug ist. Deshalb haben Leserbriefe einen hohen Stellenwert, die die Politik ertragen muss und mit denen sie sich auseinandersetzen muss, ob es ihr passt oder nicht. Hat die Politik etwa verlernt, den Menschen zuzuhören anstatt sie belehren und maßregeln zu wollen? Dies scheint auch in Amberg der Fall zu sein.
Alfons Swaczyna
Ltd. Baudirektor a.D.
So sollte es aussehen, das Forum der Zukunft. Die Fassade der "Drei Höfe", wie sie sich heute präsentiert.
den Stuttgarter Architekten aus dem Büro Hartäckig hatte die IG Menschengerechte Stadt "bei Wind und Wetter"
Wittfoht war es damals wichtig, eine wie der Leserbriefschreiber Alfons Swaczyna erwähnt, "vor dem Forum dafür
moderne "Lochfassade" zu entwerfen. gekämpft, um die denkmalgeschützte Straßen- und Hof-Fassade vor
vor einer Zerstörung zu bewahren
Bild: Wittfoht Architekten Stuttgart, Bild: Stephan Huber
„Mehr Grün, mehr Spielgeräte: Was aus der Innenstadt Million umgesetzt wird.“
Leserbrief zu den AZ-Beitrag vom 11.11.2023
Herrn Stadtrat Schöberl kommt es mit dem von ihm initiierten „Wünsch Dir was“ Projekt, wie man eine „Innenstadt- Million“ ausgeben könnte, nach seiner Aussage eher auf die Steigerung der
Besucherfrequenz in der Altstadt an als auf den dringend notwendigen Strukturwandel, den er abwertend als „allgemeine Verbesserungen“ bezeichnet. Die wertvollen Steuergelder von einer 1.000.000
Euro sollten jedoch nicht politisch publikumswirksam bis auf wenige durchaus sinnvolle Verbesserungen für viele Kleinmaßnahmen in der Innenstadt von Amberg verbraten werden, sondern sie sollten
eher gezielt für die Erarbeitung grundsätzlicher nachhaltiger Konzepte eingesetzt werden.
n Amberg wären dringend planerische und baulich-investive Maßnahmen zur Aufwertung der Altstadt notwendig, wie es etwa die wirtschaftlich abgefallenen und vernachlässigten Bereiche wie die Untere
und Obere Nabburger Straße, die Ziegelgasse, die Herrnstraße sowie das Wohnquartier (Neustift) und die vom Verkehr dominierten Plätze (z.B. Paulanerplatz) nötig hätten. Für die Erarbeitung von
nachhaltigen kreativen Konzepten zusammen mit den Bürgern zur Verkehrsfreimachung, barrierefreien Neugestaltung und städtebaulichen Aufwertung (mit Bepflanzung) dieser früher stark frequentieren
Einkaufsstraßen und Plätze wäre die „Innenstadt-Million“ sinnvoller ausgegeben. Übrigens ganz im Sinne der Ziele des teuren Gutachtens ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept), die
darin die Entwicklung der Altstadt zu einem verkehrsberuhigten lebendigen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität sehen.
Das Einkaufen als Hauptbesuchsgrund der Innenstadt ist ohnehin passe. Der Aufenthalt und das erholsame Verweilen in Innenstadt sowie andere Nutzungen der Gastronomie, Kultur und Erholung in einer
attraktiven Umgebung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das beste Beispiel dafür ist die Verkehrsfreimachung und bauliche Neugestaltung der Schiffgasse und der Uferzone, die vorbildliche
Nachfolgeinvestitionen (Notstain, Bootshaus) an der Vils ausgelöst haben, die Besucher der Altstadt anziehen
Fazit: Eine Sammlung von Ideen der Bürger ist grundsätzlich positiv zu sehen. Aber dafür für die Umsetzung trotz eines klammen Haushalts eine „Innenstadt-Million“ an Steuergeldern auszugeben,
grenzt eher an populistischen Aktionismus des Stadtrates, etwas zu tun. Manchmal wäre angesichts dringenderer Ausgaben in anderen Bereichen (Soziales, Kultur, Bildung) Sparsamkeit, im Sinne
weniger ist mehr, angebracht. Ein „Wünsch Dir was“ Millionenspiel mit Steuergeldern, die den Bürgern vorher mit höheren Gebühren und Abgaben abgenommen werden, passt nicht in die Zeit, wo jeder
Bürger das Geldausgeben überlegen muss, um über die Runden zu kommen.
Alfons Swacyna
Ltd. Baudirektor a.D.
Leserbrief zum AZ-Beitrag vom 26. September 2023: "Bei den Drei Höfen verschwindet das Gerüst":
Viele Amberger und Besucher konnten sich schon einen Eindruck von der denkmalgeschützten und mustergültig instandgesetzten Außenfassade der "Drei Höfe" verschaffen.
Die für das imposante Gebäude charakteristischen Bögen im Erdgeschoss mit der rötlichen Natursteineinfassung sowie die paarweisen Fensterachsen in den Obergeschossen mit den gliedernden Faschen erinnern an das vertraute Erscheinungsbild des Kaufhauses. Die neuen Dachgauben mit ihren zwei Fenstern orientieren sich an der Einteilung der Fenster und gliedern gut die große Dachfläche.
Das gelungene gestalterische Ergebnis war nicht selbstverständlich. Denn der Stadtrat hatte bereits widerrechtlich die Genehmigung des Abrisses dieser denkmalgeschützten Fassade sowie des östlichen Flügels im Innenhof beschlossen. Die Radikalität des Abrisses der Fassade wurde wegen der Notwendigkeit der Entkernung des Gebäudes von den Verantwortlichen der Stadt (Oberbürgermeister, Geschäftsführer Gewerbebau) und der Mehrheit der Stadträte nachdrücklich gefordert.
Es sollte nach den Plänen der Architekten Wittfoht aus Stuttgart eine deplatzierte Lochfassade mitten im Ensemble der Altstadt von Amberg entstehen, die jegliche Maßstäbe gesprengt hätte. Eben modern, großstadtgerecht aber nicht altstadtgerecht. Im Zeitungsbericht der AZ vom 10. August 2016 verteidigte die Gewerbebau diesen Frevel vehement. Oberbürgermeister Michael Cerny wünschte sich sogar, mit der denkmalgeschützten Fassade schnellstens Tabula rasa zu machen (Aussage AZ, 14. August 2017).
Es war die IG Menschengerechte Stadt, die fünf vor Zwölf gegen diesen Baufrevel ihre Mitglieder mobilisiert hat, um den Ambergern bewusst zu machen, wie das Denkmalschutzgesetz von der Mehrheit der Stadträte ignoriert wurde, um ein Projekt mit allen Mitteln durchzusetzen. Hartnäckig und voller Überzeugungskraft hat die IG bei Wind und Wetter vor dem Forum dafür gekämpft, um die denkmalgeschützte Straßen- und Hof-Fassade vor einer Zerstörung zu bewahren.
Wegen ihres Engagements mussten sich manche Aktivisten verschiedentlich sogar ehrverletzend beschimpfen lassen. Doch für die Überzeugung, der Heimatstadt Amberg etwas Gutes zu tun, hat es sich gelohnt Zeit und Geld zu opfern, um die Erinnerung an die Geschichte dieses Gebäudes wenigstens in seinen Fassaden zu erhalten. Mit dem Ergebnis ist dies überzeugend gelungen.
Oberbürgermeister Cerny und die Politik täten gut daran, bei den Reden zur Fertigstellung des Baus den Fassadenerhalt nicht für sich zu vereinnahmen - nach dem Motto, was scheren mich meine falschen Entscheidungen von gestern. Es waren einzig die erfahrenen Planer des Projekts, die einen behutsamen und denkmalgerechten Umbau umgesetzt haben. Dieser war nicht das Ziel der falschen rechtswidrigen (Denkmalschutz) Entscheidungen der Mehrheit des Stadtrates.
Alfons Swaczyna, Amberg
Ohne das Engagement von Otto Schmidt hätte kein Stadttheater-Jubiläum begangen werden können
Leserbrief zum AZ-Beitrag vom 14. Oktober 2023: "220 Jahre Stadttheater Amberg: Mit bewegter Vergangenheit für glorreiche Zukunft":
In dem AZ-Artikel werden nur in einem einzigen Satz auf die Verdienste des ehemaligen Stadtheimatpflegers, Otto Schmidt, und sein Kampf für den Erhalt des Amberger Theaters beiläufig erwähnt. Im
Folgenden soll aufgezeigt werden, wie gefährdet die Existenz des heutigen Theaters war. Ohne das Engagement von Otto Schmidt hätte kein 220. Jubiläum begangen werden können.
1953 wurde das Theater in der ehemaligen Franziskanerkirche am Schrannenplatz baubedingt gesperrt. Es entstand eine lebhafte Diskussion um das Schicksal des Theatergebäudes. Stadtrat, Verwaltung, viele Theaterfreunde und auch die Presse waren gegen eine Restaurierung. 1967 prüfte man die Verwendung als Markthalle. 1969 beschloss der Stadtrat den Verkauf an die Bayerische Vereinsbank und genehmigte den Abriss. Auf dem historischen Boden sollte stattdessen ein Bankgebäude errichtet werden. Ein neues Theater sollte vor den Toren der Altstadt an der Kräuterwiese entstehen.
An die Spitze der Kritiker des Abrisses eines kulturhistorischen Schatzes in der Altstadt stellten sich per gesetzlichem Auftrag Otto Schmidt als Stadtheimatpfleger unterstützt von wenigen
Mitstreitern wie MdB Heinrich Aigner, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Regierung der Oberpfalz, die vehement gegen den Abbruch waren. Da Otto Schmidt feststellen musste, dass
Geschichtssinn und Traditionsbewusstsein in Öffentlichkeit und Politik oft auf Ignoranz und Desinteresse stoßen, sah er sich mit dem Problem Stadttheater in der Pflicht, pädagogisch langmütig die
grandiose Baugeschichte dieses Gebäudes, seinen Wert und die Chance zur weiteren Nutzung als Theater bei jeder Gelegenheit den Ambergern öffentlich bewusst zu machen. Er zog alle Register seines
Wissens und seiner Forschungen, Politik und Öffentlichkeit von der Erhaltung des Stadttheaters zu überzeugen. Mit seinem nimmermüden Engagement trug Otto Schmidt schließlich zu einer
rechtzeitigen Besinnung insbesondere der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung auf die ideellen Werte der jahrhundertelangen Tradition bei, festigte auch in der Öffentlichkeit die
Überzeugung, dass die traditionsreiche Existenz unmöglich durch den Abriss zugunsten unreflektierter moderner Planer und Investoren unwiderruflich vernichtet werden dürfen.
Dank Otto Schmidt ist das Stadttheater ein kulturelles Kleinod, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und moderne Nutzung harmonisch präsentieren. Es ist die kulturelle Mitte des
Stadtlebens in Amberg.
Fazit: Die vielfältigen Verdienste des Stadtheimatpflegers Otto Schmidt für seine geliebte Heimatstadt hätten schon längst eine Platz- oder Straßennennung verdient. Ein Antrag wurde bereits vor
Jahren gestellt, aber bisher unerklärlicherweise ignoriert.
Alfons Swaczyna, Amberg
Zum Artikel "Amberger Bauausschuss redet sich über das Parken in der Altstadt die Köpfe heiß" vom 23. Januar 2023:
Preisfrage: Was hat das Bürgerspitalareal mit dem Wohnbauprojekt am Viehmarkt zu tun? Richtig: Sie liegen fußläufig bei zügiger Gangart acht Minuten auseinander. Deshalb braucht es dort dringend eine Tiefgarage. Mit dieser irgendwie schon bestechenden Logik hat Rudolf Maier (CSU) in der Bauausschusssitzung ein kleineres Wohnbauprojekt mit grünem Innenhof zumindest verzögert. Keine fünf Minuten sind es von der Theatergarage aus. Dort aber dürfen keine Anwohnerparkplätze ausgewiesen werden, denn "das wäre eine Schwächung des Einzelhandels" (Oberbürgermeister Michael Cerny). Beispiele von Städten, in denen wegen des fehlenden Autoverkehrs Läden schließen mussten, bleibt er schuldig.
Der Diskussionsbeitrag von Rudolf Maier- in der Schule hätte damals mit Rotstift unter dem Aufsatz gestanden: Thema verfehlt - zeugt von einer Ignoranz gegenüber den Bürgerrats-Empfehlungen, der nur noch übertroffen wird von früheren Aussagen von Frau Fruth (SPD) und Herrn Schöberl (CSU): "Der Stadtrat entscheidet", wie und was gebaut wird. Was geht's uns an, was die Bürgerinnen und Bürger wollen? Nichts, solange aktuell keine Kommunalwahl ansteht. Soviel jedenfalls zu Lob und Wertschätzung der Arbeit des Bürgerrats.
Am 2. Januar erschien in der AZ ein Bericht über den Hirschauer Dr. Jakob von Bauer. Ein überliefertes Zitat von ihm soll lauten: "Es gibt Leute, die keine Bäume sehen können und in deren Pflanzung eine Geldverschwendung erkennen; nur solche Bäume, an denen statt Blätter Banknoten wachsen würden, wären für ihren Geschmack." In einer leicht abgewandelte Form dieses Zitats lassen sich Banknoten ohne weiteres durch "Parkscheine" ersetzen.
Dass ohne Autos die Stadt stirbt, scheint sich nirgendwo so verfestigt zu haben, wie in Amberg. Deshalb wurden wahrscheinlich auch mehr Anwohner-Parkberechtigungsscheine ausgegeben, als Plätze vorhanden sind. Welch ein Dilemma! Es lohnt sich jedenfalls, die Planungen für das Bürgerspitalgelände im Auge zu behalten.
Gabriela Schill, Amberg
Denkmalgerecht sanierte Wohnungen in der Altstadt, eine kleine versteckte Photovoltaikanlage? Okay, brav. Aber begrünter Innenhof statt ordentlicher Parkplätze, mit so fadenscheinigem Hinweis auf den Klimawandel. Also das geht nicht. Der Mensch muss doch parken können. Und wir haben so wenig Parkplätze in der Altstadt. Ohne Auto ist man doch kein anständiger oder doch ein amputierter Mensch. Gut, Schluss mit der Polemik, auch wenn's einen stark reizt, angesichts der Betonköpfigkeit einer dominanten Zahl unserer Stadtvertreter in Bezug auf Mobilität. Unser Oberbürgermeister gebraucht wieder sein Totschlagargument, dass wir doch keine U-Bahn wie die Münchener haben.
Vielleicht rentiert sich die kurze Überlegung, dass eine U-Bahnstation meist auch über einen Fußweg erreicht wird, wie wenn halt das Auto in einer Parkgarage steht. Und dass es nicht die Theatergarage sein muss, wenn schon ein anderes Mal beklagt wird, dass beispielsweise die am Ziegeltor so wenig genutzt wird.
Potenzielle Lösung: Wer sich entscheidet, in den geplanten neuen Wohnungen zu leben, kann einen Tiefgaragenstellplatz haben, bekommt aber keinen Anwohnerparkausweis. Muss halt Bedingung der Baugenehmigung sein. Das vielstrapazierte Argument, auf das Auto angewiesen zu sein, bedeutet ja in der Regel nicht, dass es vor der Wohnungstür stehen muss.
Und wer aus dem Landkreis in die Altstadt will, kann meist problemlos und vielleicht mit Genuss die letzten paar Hundert Meter gehen. Ist es nicht nachvollziehbar, dass Gehen in einem dafür so geeigneten Ensemble Spaß machen kann, einem Ensemble, auf dessen Einzigartigkeit sonst so viele große Worte verloren werden? Gehen zu können, gehört zu den Grundeigenschaften und -bedürfnissen des Menschen; oft ein wenig spät im Leben erkannt. Ist es in Amberg nicht wie vielerorts zu sehen, dass das Projekt autogerechte Stadt infolge unkritischer und exzessiver Nutzung des Pkw sich als Problem erwiesen hat? Mit dem Auto in die Altstadt zu fahren, ist eine Angewohnheit - relativ selten eine Notwendigkeit. Hätte man vor 20 Jahren die Raucher gefragt, ob sie für ein Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Räumen sind. Und wie froh sind die meisten Menschen jetzt, einschließlich eines Großteils der Raucher selber.
Es bleibt noch, ganz auf die Vernunft der Verwaltung zu bauen. Das Vertrauen in unsere Stadtvertreter schwindet. Dazu gehört deren Weigerung, sich einer großen Initiative deutscher Städte und Gemeinden anzuschließen, die das Ziel hat, selber bestimmen zu können, wo man zum Beispiel Tempo 30 haben will.
Zuletzt noch mal Polemik: Warum schaffen es die Stadtvertreter nicht mehrheitlich, endlich die blöden Fußgängerzonen wieder abzuschaffen, damit der Einzelhandel gestärkt wird? Ihrem Kommentator muss ich für seinen Meinungsbeitrag zu diesem Thema danke sagen.
Dr. Hans Friedl, Amberg
Die Stadt von morgen muss heute gedacht werden
Zum Artikel "Amberger Bauausschuss redet sich über das Parken in der Altstadt die Köpfe heiß" vom 23. Januar 2023
Wir schreiben das Jahr 2023. Laut der NASA liegen die neun wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hinter uns. Weitere Rekordwerte werden für die nächsten Jahre erwartet. Bereits jetzt sind die Auswirkungen des Klimawandels allerorten zu spüren - auch bei uns in Amberg.
In besagtem Jahr nimmt sich ein Investor des alten Metzgeranwesens am Viehmarkt an. Er will dieses nicht nur denkmalgerecht sanieren, sondern zugleich auch zukunftsgerecht revitalisieren. Sein Wunsch ist es, eine kleine PV-Anlage zu installieren und den Innenhof zu begrünen anstatt wie üblich mit Stellflächen zu versiegeln.
Das zuständige Bauordnungsamt befürwortet dies - nicht jedoch die CSU-Mitglieder des Bauausschusses, die sich fast darin zu überbieten scheinen, dem Auto in der Innenstadt ein leidenschaftliches Plädoyer angedeihen zu lassen.
Dass der Vermieter möglicherweise tatsächlich ein knappes Dutzend Mieter findet, die auf ein eigenes Auto verzichten (wollen) oder einen Fußweg zu einem Stellplatz vielleicht sogar außerhalb der Altstadt tatsächlich in Kauf nehmen: die CSU traut es ihm nicht zu. Oder will man es vielleicht gar nicht? Diesen Eindruck bekommt man, folgt man ihren Ausführungen, die wie eine Zeitreise in die Blütejahre der autogerechten Stadt anmuten.
Aber soll die Reise ernsthaft weiter dorthin gehen? Die Zeichen der Zeit geben längst eine andere Richtung vor. Wir sollten diese schleunigst einschlagen. Die Stadt von morgen wird heute gedacht - und gebaut.
Christian Schön, Amberg
„Bei den Drei Höfen verschwindet das Gerüst“
Leserbrief zu den AZ-Beitrag vom 26.09.2023
Viele Amberger und Besucher konnten sich schon einen Eindruck von der denkmalgeschützten und mustergültig instandgesetzten Außenfassade der „Drei Höfe“ verschaffen. Die für das Gebäude
charakteristischen Bögen im Erdgeschoss mit der rötlichen Natursteineinfassung sowie die paarweisen Fensterachsen in den Obergeschossen mit den gliedernden Faschen erinnern an das vertraute
Erscheinungsbild des Kaufhauses. Die neuen Dachgauben mit ihren zwei Fenstern orientieren sich an der Einteilung der Fenster und gliedern gut die große Dachfläche.
Das gelungene gestalterische Ergebnis war nicht selbstverständlich. Denn der Stadtrat hatte bereits widerrechtlich die Genehmigung des Abrisses dieser denkmalgeschützten Fassade sowie des
östlichen Flügels im Innenhof beschlossen. Die Radikalität des Abrisses der Fassade wurde wegen der Notwendigkeit der Entkernung des Gebäudes von den Verantwortlichen der Stadt
(Oberbürgermeister, Geschäftsführer Gewerbebaut) und der Mehrheit der Stadträte nachdrücklich gefordert. Es sollte nach den Plänen der Architekten Wittfoht aus Stuttgart eine deplatzierte
Lochfassade mitten im Ensemble der Altstadt von Amberg entstehen, die jegliche Maßstäbe gesprengt hätte. Eben modern, großstadtgerecht aber nicht altstadtgerecht. Im Zeitungsbericht der AZ vom
10. August 2016 verteidigte die Gewerbebau diesen Frevel vehement. OB Cerny wünschte sich sogar, mit der denkmalgeschützten Fassade schnellstens Tabula rasa zu machen (Aussage AZ
14.08.2017)
Es war die IG Menschengerechte Stadt, die fünf vor Zwölf gegen diese Baufrevel ihre Mitglieder mobilisiert hat, um den Ambergern bewusst zu machen, wie das Denkmalschutzgesetz von der Mehrheit
der Stadträte ignoriert wurde, um ein Projekt mit allen Mitteln durchzusetzen. Hartnäckig und voller Überzeugungskraft hat die IG bei Wind und Wetter vor dem Forum dafür gekämpft, um die
denkmalgeschützte Straßen- und Hoffassade vor einer Zerstörung zu bewahren. Wegen ihres Engagements mussten sich manche Aktivisten verschiedentlich sogar ehrverletzend beschimpfen lassen. Doch
für die Überzeugung, der Heimatstadt Amberg etwas Gutes zu tun, hat es sich gelohnt Zeit und Geld zu opfern, um die Erinnerung an die Geschichte dieses Gebäudes wenigstens in seinen Fassaden zu
erhalten. Mit dem Ergebnis ist dies überzeugend gelungen.
OB Cerny und die Politik täten gut daran, bei den Reden zur Fertigstellung des Baus den Fassadenerhalt nicht für sich zu vereinnahmen nach dem Motto, was scheren mich meine falschen
Entscheidungen von gestern. Es waren einzig die erfahrenen Planer des Projekts, die einen behutsamen und denkmalgerechten Umbau umgesetzt haben. Dieser war nicht das Ziel der falschen
rechtswidrigen (Denkmalschutz) Entscheidungen der Mehrheit des Stadtrates.
Alfons Swaczyna
ltd..Baudirektor a.D.
Nur so kann die historische Bedeutung des Bürgerspitalareals erhalten bleiben
Leserbrief zum Beitrag "Empfehlungen des Bürgerrates für das Bürgerspitalareal sind eine große Überraschung" vom 2. Dezember 2022 und zudem Kommentar dazu:
Es ist sehr erfreulich, dass die 40 Amberger Bürger des Bürgerrates verantwortungsvoll den jahrelangen Kampf engagierter Bürger gegen den Ten-Brinke-Klotz in der Altstadt mit ihrer Empfehlung
einer sensiblen Nutzung des vor 700 Jahren gestifteten Geländes bestätigt haben. Der erfolgreiche Bürgerentscheid der Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt gegen die mehr als fragliche
Investoren-Entscheidung des Stadtrates war daher mehr als berechtigt.
Es war ein anfangs fast aussichtsloser Kampf der kleinen Davids, Bürger genannt, gegen die allmächtig erscheinende Phalanx der Goliaths aus Politik, Verwaltung und Investor, die nach ihrer
Fehlentscheidung für bessere Argumente der Bürger nicht zugänglich waren und sie einseitig im Sinne des Investors mit allen Mitteln bekämpft haben. Aber er hat sich für unsere Stadt Amberg
gelohnt. Die Mitglieder des Bürgerrates sprechen sich jetzt einstimmig für eine kleinteilige und lockere Bebauung aus, deren Gebäudehöhen sich dem Denkmal des Altstadtensembles anpassen.
Eine Nutzung des Geländes zur Optimierung der Rendite eines überdimensionierten Investoren-Projektes ist damit für immer ausgeschlossen. Wichtig sind ihnen Freiflächen, die mit ihrer Begrünung
eine hohe Aufenthaltsqualität mitten in der Altstadt garantieren, so wie sie etwa beim früheren Altenheim vorhanden waren. Eine Verdichtung mit Augenmaß - im Zeichen des Klima- und
Verkehrswandels, eben in jeder Hinsicht nachhaltig, klima- und vor allem menschengerecht.
Nur so kann dem Bürgerspital-Areal mit seiner historischen Vergangenheit in der Kulturachse Spitalkirche - Ringtheater sein Rest an Bedeutung für die Stadtgeschichte erhalten werden. Durch das
Online-Tool für ergänzende Vorschläge sollen hoffentlich die klaren Empfehlungen des Bürgerrats nicht verwässert werden. Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses können jetzt Grundlage für einen
europaweiten städtebaulichen Realisierungswettbewerb (kein Investorenwettbewerb!) mit interdisziplinärer Beteiligung von Architekten, Stadt- und Verkehrsplanern sowie Landschaft- und
Umweltplanern zur Bebauung des Bürgerspitalareals, zur Nutzung der Spitalkirche und des Ringtheaters werden.
Dieser garantiert eine breite Palette an Planungslösungen und nicht nur deren drei durch die Verwaltung. Ein Preisgericht mit Beteiligung von Bürgern des Bürgerrates sucht dann die besten Ideen
aus, die sich für eine Umsetzung in der denkmalgeschützten Altstadt eignen.
Hilfreich für eine gute Baukultur wäre auch, sich für das Bauen im Bestand der Altstadt des Angebots eines temporären Gestaltungsbeirates durch die Bayerische Architektenkammer zu bedienen.
Maßstab müssen allerdings immer die Empfehlungen des Bürgerrates bleiben, die im Planungsprozess optimiert und angepasst werden können.
Alfons Swaczyna, Amberg
„Aus Ärger über Denkmal und Bauamt gibt Investor neues Wohnen in der Altstadt auf“
vom 16. Oktober 2022 und den Kommentar des Redakteurs.
:
Das Objekt Neustift 47/Zehentgasse 6 als ehemalige Amtswohnung des Hofkastenamts mit folgender Beschreibung: „Zweigeschossiger Satteldachbau, 1553/54, innen verändert, teilunterkellerter
Stadel mit Satteldach, 18./19. Jh., im Kern älter; Stadel und ehem. Ökonomie, 18/.19. Jh., im 20. Jh. verändert“ ist in der aktuellen Bayerischen Denkmalliste seit 2020 verzeichnet. Damit mussten
sich alle Beteiligten darauf einstellen, dass der Denkmalschutz im Ensemble der Altstadt bei der Planung zu beachten ist. Ein Abriss im Altstadtensemble durfte daher vom Baureferenten gar nicht
in Aussicht gestellt werden, auch wenn er dies, scheinbar von Architektenentwurf euphorisiert, als „gangbaren Weg“ bezeichnet hat. Er durfte die gewichtigen Belange des Denkmalschutzes nicht
zugunsten eines Investors einfach opfern, so wie bei der Neuen Münze und dem Ten Brinke Projekt von der Politik und Verwaltung versucht. Da die Bauverwaltung nach Gesetz und Recht handeln musste,
waren die denkmalrechtlichen Fragen zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege sorgfältig zu klären. Also keineswegs eine Schikane, wie der einseitige Pro-Investor AZ-Beitrag suggeriert,
sondern ein üblicher Verwaltungsvorgang und kein „überraschendes Eingreifen des Denkmalschutzes“, der aus heiterem Himmel „ins Spiel kam“.
Verantwortlich macht die AZ für die vom Gesetz vorgegebene Intervention der unteren Denkmalschutzbehörde einen ehemaligen Mitarbeiter. Nicht die Rede ist von dessen hoher Fachkunde. Stattdessen
wird er als „als seinerzeitiger recht eifriger Mitarbeiter des Bauamts“ mit „seinen persönlichen Vorlieben und Beziehungen“ zu den Denkmalschutzbehörden denunziert. Es ist allgemein bekannt, dass
damit Herr Dr. Hensch gemeint ist, der sich als Leiter der archäologischen Grabungen auf dem Bürgerspitalgelände große Dienste erworben, bevor er später kurze Zeit bei der Stadt im Bereich der
Denkmalpflege arbeitete. Einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der sich pflichtbewusst dem Vollzug des Denkmalschutzgesetzes verpflichtet sah, daher zu unterstellen, er bediene seine
„persönlichen Vorlieben“, ist ungehörig. Kein Wunder, dass Herr Dr. Hensch mit seiner denkmalpflegerischen Erfahrung bei den Verantwortlichen offenbar keine Unterstützung fand und Amberg
verlassen hat.
Im Übrigen scheint der Redakteur des Artikels und des Kommentars mit seinen Beiträgen eher der Lobbyist ungeduldiger Investoren mit dessen guten Beziehungen zur Politik zu sein als, wie er meint,
der Bürger. Schon im Januar 2021 hat es sich mit dem Artikel „Wenn der Denkmalschutz in Amberg zum Verhinderer wird“ recht eindeutig so positioniert. Das ausführliche Berichten über öffentliche
anklagende Rundumschläge gegen die Verwaltung ist weder mutig noch kühn. Es wäre durchaus ratsam, als Journalist Distanz zu halten, um nicht gefährlich den Widerstand zum Gesetzesvollzug in
unserem Rechtsstaat zu befördern.
Alfons Swaczyna
ltd. Baudirektor a.D.